Wetternachrichten
Dienstag, den 9.11.2010
Thema des Tages
Die fünfte Jahreszeit - dieses Mal XXL
Ein Teil der Bevölkerung erwartet ihn sehnlichst, der andere
Teil wendet sich naserümpfend ab - der Beginn der sogenannten
fünften Jahreszeit am 11.11. um 11.11 Uhr steht bevor. Egal wie
man zu Karneval, Fastnacht, Fasching usw. steht, diese
'Session' ist eine der längsten, die überhaupt möglich sind.
Sie endet erst mit dem Aschermittwoch am 9. März des kommenden
Jahres.
Der Termin des Aschermittwoch richtet sich dabei nach dem
Osterdatum, genauer gesagt, er liegt 46 Tage vor dem
Ostersonntag. Der Ostersonntag wiederum ist nach alter
Definition der Sonntag nach dem ersten Vollmond nach
Frühlingsanfang.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Berechnung zwecks
Vereinfachung, später auch globaler Vereinheitlichung
modifiziert. Heutzutage wird das Osterdatum im Wesentlichen
nach einem auf Carl Friedrich Gauß zurückgehenden Formelsatz
berechnet. In seltenen Ausnahmefällen greift nochmals eine
Korrektur, so dass letztendlich der Ostersonntag frühestens auf
den 22. März, spätestens auf den 25. April fällt.
Im kommenden Jahr ist am 24. April, also am zweitspätesten
Termin, Ostersonntag. Demzufolge ist auch der Aschermittwoch,
der 9. März 2011, der zweitspäteste Termin. Die maximal
mögliche Länge der 'fünften Jahreszeit' werden Narren, Jecken
und Co. erst im Jahre 2038 erleben, wenn das definitionsgemäß
späteste Osterdatum ansteht.
Bleibt zum Schluss nur die Frage, was das Wetter zum Anpfiff
der närrischen Zeit macht. Zumindest für die Hochburgen am
Rhein ist dabei verhaltener Optimismus angesagt. Zwischen dem
abziehenden Regen vom Mittwoch und dem neuen Regen zum
Donnersagabend dürfte es dort tatsächlich zur fraglichen Zeit,
am Donnerstag, 11.11. um 11.11 Uhr weitgehend trocken bleiben.
Die Temperaturen um 6 oder 7 Grad sind dabei durchaus
erträglich. In Norddeutschland gibt es sogar größere sonnige
Abschnitte, es ist aber etwas frischer. Deutlich trüber sieht
es in Richtung Südosten aus, wo dichte Wolken etwas Sprühregen,
in höheren Lagen auch Schnee bringen. In diesem Sinne also
Helau und Alaaf (andere 'Dialekte' müssen der Übersichtlichkeit
halber entfallen)!
Dipl.-Phys. Ansgar Engel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Montag, den 8.11.2010
Thema des Tages
Anhaltender Regen, Schnee in den Mittelgebirgen
Sie sind seit einigen Tagen der Dauerbrenner im Thema des
Tages, und auch heute kommt man nicht daran vorbei - die
Niederschlagsmengen. Anhaltender Tiefdruckeinfluss und immer
neue Regengebiete haben fast überall in Deutschland für ein
verregnetes und ziemlich graues Wochenende gesorgt. Richtiges
Novemberwetter, da bleibt man am liebsten zu Hause und macht es
sich mit einem Buch oder vor dem Fernseher gemütlich. Wobei man
natürlich auch einen Herbstspaziergang im Regen nicht
schlechtreden sollte, schließlich sagte mal jemand: es gibt
kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung. Nun ja, die
Geschmäcker sind verschieden.
Zu Beginn des Wochenendes war regentechnisch hauptsächlich die
Nordhälfte betroffen. Am gestrigen Sonntag regnete es dann im
Süden, im Norden durfte man, insbesondere in Schleswig-
Holstein, zeitweise die Sonne genießen. Am freundlichsten war
es dabei in Nordfriesland, speziell auf den Inseln, mit einer
Sonnenscheindauer von fast 8 Stunden. Bei einer möglichen
Sonnenscheindauer von 9 Stunden war dies immerhin 90% des Tages.
Die Südhälfte Deutschlands hatte es dagegen mit anhaltendem
Regen und in den Hochlagen der Mittelgebirge mit Schnee
erwischt. Dabei kamen in den letzten 24 Stunden verbreitet
Niederschlagsmengen zwischen 5 und 15 Liter pro Quadratmeter
herunter. Die höchsten Mengen wurden dabei im Erzgebirge
registriert - Spitzenreiter war der Fichtelberg, hier kamen
fast 25 Liter, in Tannenberg und Bertsdorf-Hörnitz 24 Liter
zusammen. Im Südwesten Deutschlands lag Baiersbronn im
Nordschwarzwald mit 20 Liter an der Spitze.
Blickt man etwas weiter nach Süden, genauer gesagt nach
Slowenien sind die Mengen bei uns nicht wirklich der Rede wert.
Die höchsten Mengen im gesamteuropäischen Vergleich fielen auf
dem Vogel (46° 14? N, 13° 48? O), einem fast 2000 Meter hohen
Gipfel in den Julischen Alpen - hier wurden 122 Liter
Niederschlag gemessen. In Nova Gorica (45° 57? N, 13° 38 O),
einer Stadt im Westen Sloweniens, unmittelbar an der
italienischen Grenzen fielen seit gestern Morgen immerhin noch
108 Liter auf den Quadratmeter.
Mit der in den vergangenen Tagen herangeführten Polarluft
erreichten auch die Temperaturen in den Mittelgebirgen ein
halbwegs winterliches Niveau, so dass die Niederschläge in der
letzten Nacht verbreitet in Schnee übergingen. So muss
natürlich auch der Fichtelberg erwähnt werden, denn die
Niederschlagsmenge von 25 Liter fiel fast durchweg als Schnee,
so dass zum Morgen eine Schneedecke von 22 cm (20 cm Neuschnee)
entstand. Die Gipfel der anderen Mittelgebirge konnten da nicht
mithalten, auf dem Feldberg im Schwarzwald lagen nur 4 cm, auf
dem Großen Arber im Bayerischen Wald 2 cm Schnee. Auf der
Zugspitze kamen 20 cm Neuschnee hinzu, hier liegen derzeit 85 cm.
Im Südosten Deutschlands fiel auch im Flachland zeitweise
Schnee, in Dresden und Cottbus wurde zum 6 Uhr Termin (7 Uhr
GZ) eine Schneedecke von einem 1cm registriert. Ein Orkantief
über den Britischen Inseln führt von Südwesten wieder mildere
Luft heran, so dass die Schneedecken, insbesondere in den
Mittelgebirgen wieder zusammenschmelzen werden.
Dipl.-Met. Robert Scholz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Sonntag, den 7.11.2010
Thema des Tages
Yentl und Zelda als Lärmschützer
Nicht gänzlich unerwartet hat sich letzte Woche eine
Westwetterlage eingestellt.
(Zur Westwetterlage siehe das Thema des Tages vom 22.10.2010).
Während im Süden Hoch Rolf für ruhiges Herbstwetter sorgte,
zogen über den Norden Deutschlands die Fronten und Randtiefs
der Tiefdruckgebiete Yentl und Zelda mit viel Regen und Wind
hinweg. Dabei bildeten sich verbreitet Seenlandschaften aus,
denn innerhalb von wenigen Tagen kam an einigen Orten die
mittlere Niederschlagsmenge des Novembers vom Himmel.
Mit der Kaltfront von Yantl, die in der Nacht zu Samstag
nochmals einigen Regen brachte, war der Spuk vorbei. Zeit also
Bilanz zu ziehen:
Zunächst zum Höhepunkt, als in der Nacht zu Freitag Zelda I
über den äußersten Norden Deutschlands zog. Innerhalb von 12
Stunden regnete es bis zu 42 Liter. Diese Menge, die sich in
den Niederschlagsmesser in Wittenborn, ca. 30 km westlich von
Lübeck gelegen, ergoss, entsprach dem halben
Monatsniederschlag, der dort bei 81 l/m² liegt. Mehr als 30
Liter fielen auf einer Fläche von ca 3500km² zwischen der
Lübecker Bucht und der Elbmündung. Kein Wunder, dass es neben
dem Plöner- und dem Warder See noch viele Seen ohne Namen gab.
Auch bei den 24stündigen Niederschlagswerten ist Wittenborn mit
64 Litern im Zeitraum von Donnerstag bis Freitag früh führend.
Der Bereich mit mehr als 50 l/m² umfasste etwa 2500 km.
Insgesamt fiel in Schleswig Holstein, im Norden Niedersachsens
und in Vorpommern von Dienstag bis Samstag über 50 l/m², also
mehr als das halbe Monatssoll; örtlich, wie zum Beispiel in
Freiburg nahe der Elbmündung, regnete sogar das Monatssoll
innerhalb von vier Tagen vom Himmel.
Das liest sich sehr imposant, aber im Vergleich zu Pakistan, wo
diese Mengen innerhalb weniger Stunden(!) vom Himmel fielen,
ist das bei aller lokalen Dramatik doch eher vernachlässigbar.
In der Tabelle am Ende sind die jeweils um 06 Uhr für 24
Stunden aufaddierten Messwerte zu finden und in Klammern nach
dem Stationsnamen das Monatsmittel des Novembers.
(alle Angaben in Liter/m³ bzw. mm)
Und wo bleibt nun der Lärmschutz ?
Yentl und Zelda haben mit ihrem Wind die Blätter von den Bäumen
geweht und die sind mit den Wassermassen weggeschwommen. Da
braucht es nun keine lärmenden und nervtötenden Laubbläser mehr.
Samstag, den 6.11.2010
Thema des Tages
Regenband über Deutschland
Das zunächst noch wetterbestimmende Frontensystem kommt nun
allmählich südwärts voran und erreicht bis Sonntagabend die
Alpen, wo es unter Tiefdruckeinfluß gerät und sich noch einmal
verstärkt. Somit steht nun auch in Süddeutschland gebietsweise
Dauerregen auf der Tagesordnung, während es von Norden her
aufklart und nur noch einzelne Schauer unterwegs sind.
In den vergangenen vierundzwanzig Stunden fiel der ergiebigste
Regen in einem Streifen zwischen holländischer Grenze und Harz.
Spitzenreiter im Messnetz des Deutschen Wetterdienstes war die
Station auf dem Brocken (51°48'N, 010°36'E, 1142 m NN), wo
heute früh 06:00 UTC 37 mm registriert wurden. Auf den Plätzen
folgen Westerkappeln bei Osnabrück (52°18'N, 007°51'E, 92 m NN)
mit 35 mm und das niedersächsische Lehrte-Sievershausen
(52°22'N, 010°07'E, 68 m NN) mit 34.4 mm.
Abbildungen zur Wetterlage von heute früh, 06:00 UTC, finden
Sie rechts in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr].
Von oben nach unten, sieht man zunächst eine Analyse der
Bodenwetterkarte, welche zwei Kaltfronten zeigt.
Untermauert wird diese Struktur durch die modellberechnete sog.
äquipotentiellen Temperatur, einer thermodynamischen Größe,
welche sowohl den fühlbaren als auch den latenten Wärmeinhalt
der Luft berücksichtigt, infolgedessen deutlich höher als die
aktuelle Temperatur ist und in der Meteorologie zur
Unterscheidung von Luftmassen benutzt wird. Ihre Isothermen von
26 bis 30 °C liegen nahezu parallel zum Radarbild des
Niederschlagsgebietes, dessen Struktur sich auch in den unten
dargestellten vierundzwanzigstündigen Regenmengen verifiziert.
Freitag, den 5.11.2010
Thema des Tages
Sehr mild, im Norden regnerisch...
...so präsentierte sich unser Wetter auch am gestrigen
Donnerstag. Zwischen einem Hochdruckgebiet namens ROLF über
Südwesteuropa und tiefem Luftdruck über Nordwest- und
Nordeuropa verblieb der größte Teil Mitteleuropas wie schon
seit Tagen im Zustrom milder Atlantikluft.
Relativ kühl blieb es dennoch in dem kleinen Fischerdorf Vitte
auf der Insel Hiddensee, wo das Thermometer maximal 9 °C
erreichte, denn Nordvorpommern befand sich den ganzen Tag auf
der kalten Seite der Frontalzone, innerhalb einer polaren
Luftmasse, und wurde erst am späten Abend von der Warmfront des
Tiefs ZELDA erreicht. Wesentlich wärmer war es mit maximal 14
bis 19 °C im Binnenland, Spitzenreiter im Messnetz des
Deutschen Wetterdienstes war das badische Rheinfelden,
unmittelbar an der Schweizer Grenze gelegen, mit 19.6 °C.
Zonal, d.h. in West-Ost-Richtung verlaufende Frontensysteme
verlagern sich mit der Strömung eher langsam schleifend und
ermöglichen intensive Niederschläge insbesondere im Bereich der
Warmfronten. Daher regnete es gestern in Norddeutschland
ausdauernd und ergiebig. Die größte Niederschlagsmenge
innerhalb von vierundzwanzig Stunden bis heute früh 06:00 UTC
meldete Wittenborn in Holstein mit 64 L/m², wobei in einem
Streifen zwischen Elbmündung und Lübeck vielerorts mehr als 50
mm Regen gemessen worden.
(Eine Karte der gestrigen Temperaturmaxima und der Regenmengen
bis heute früh, 06:00 UTC, finden Sie rechts in der Rubrik
"Thema des Tages" unter [mehr].)
Donnerstag, den 4.11.2010
Thema des Tages
Wo wird es am heutigen Donnerstag am windigsten?
Wie schon im Thema des Tages am gestrigen Mittwoch angekündigt,
hält das Wetter heute wieder einigen Wind für uns parat.
Nachdem das Tief "YENTL" nun nach Osten abgerauscht ist, folgt
auf der atlantischen Rennbahn entlang der ausgeprägten und
zonal angeordneten Frontalzone direkt das nächste Tief namens
"ZELDA". Heute Mittag liegt sein Zentrum etwa über Schottland,
die Ausläufer des Tiefs beeinflussen dann vor allem den Norden
Deutschlands mit länger anhaltendem und teils ergiebigen Regen,
wobei örtlich über 30 Liter Regen auf den Quadratmeter in 24
Stunden fallen. Ein Blick in die Bodenwetterkarte verrät
außerdem, dass die eng stehenden Isobaren mit einem starken
Druckgradienten verbunden sind, der wiederum viel Wind
bedeutet. Aber wo gibt es heute den meisten Wind?
Die Windspitzenvorhersage des hauseigenen Wettermodells COSMO-
EU zeigt für 15 Uhr UTC (16 Uhr MEZ, siehe dazu die Grafik
rechts unter "Thema des Tages" auf "mehr") für das nördliche
Deutschland Böen zwischen 50 und 80 km/h (6 bis 9 Beaufort) für
die tieferen Lagen. Damit sind vor allem die Gebiete nördlich
der Mittelgebirge gemeint. In der Mitte Deutschlands ist es
auch windig, hier beschränken sich die Windböen in flacheren
Regionen zumeist aber auf 50 bis 65 km/h (Bft 7 und 8). Im
Süden des Landes sind im Tiefland nur vereinzelt mehr als 50
km/h (Bft 7) zu erwarten. Die windigste Ecke Deutschlands wird,
wie bei solchen Wetterlagen üblich, aber in den Bergen zu
finden sein. Die Höhe garantiert, dass weniger Reibung der
Erdoberfläche die Luftbewegung bremst. So muss in den
Mittelgebirgen mit Böen zwischen 85 und 100 km/h (Bft 8 und 9)
gerechnet werden, in exponierten Lagen auch noch vereinzelt
darüber. Besonders viel Wind wird es voraussichtlich auf den
Gipfeln des Harzes und des Erzgebirges geben. Hier sind
orkanartige Böen oder Orkanböen zwischen 105 und 130 km/h im
Bereich des Möglichen.
Verglichen mit Sturmlagen der Vergangenheit bietet das heutige
Geschehen aber keine besondere Unwetterlage. Herbstliche Stürme
sind in unseren Breiten relativ normal. Schlechter ergeht es da
den Menschen in Haiti, die sich mit dem Tropensturm "Tomas"
auseinandersetzen müssen, der in südlicher Position, nahe vor
der Küste des Landes, liegt. Die Prognosen des "National
Hurricane Centers" der Amerikaner gehen davon aus, dass der
Wirbelsturm sich wieder verstärkt und die Hurrikanstufe 1
erreicht. Dabei soll er heute in nördlicher Zugbahn über das
Land hinweg ziehen. Es muss mit extrem viel Regen und Windböen
über 120 km/ gerechnet werden. Das könnte leider fatale Folgen
für das durch das Erdbeben im Januar schon arg gebeutelte Land
haben.
Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Mittwoch, den 3.11.2010
Thema des Tages
Beaufort
Tief YENTI sorgt in Deutschlands Norden aktuell dafür, dass die
Niederschlagsabwehr mit Hilfe von Regenschirmen massiv
erschwert, wenn nicht sogar unmöglich gemacht wird. Will
heißen, dass im Norden ein Mittelwind der Stärke 5, an der
Küste sogar ein Mittelwind der Stärke 6 weht. In Böen führt
dies dann zu Windstärke 7, und in den sogenannten "Exponierten
Lagen", also an den Küsten und in den hohen Lagen der
Mittelgebirge, zu Windstärke 8. Vereinzelt sind die heftigsten
Böen auch noch stärker, so auf dem Brocken im Harz, wo um 10
Uhr Windstärke 11 beobachtet wurde,
Zugegeben, eine konkrete Vorstellung lässt sich mit den Zahlen,
die für die Windstärken und somit für die Windgeschwindigkeit
sehen, nicht verbinden. Außer der Vermutung, dass mit der Größe
der Zahl die Geschwindigkeit des Windes ansteigt. Etwas
erhellender ist da schon eine sprachliche Umschreibung der
Windstärken. "Frisch", "Stark", "Steif" und "Stürmisch" lauten
die Adjektive, die, in dieser Reihenfolge, für die Stärken 5
bis 8 stehen. Und "orkanartig" nennt man das, was auf dem
Brocken nicht nur das Halten des Regenschirms, sondern auch das
Laufen heute praktisch unmöglich macht. Die Komplette Skala
finden Sie übrigens auf unserer Homepage unter
http://www.dwd.de/bvbw/appmanager/bvbw/dwdwwwDesktop?
_nfpb=true&_pageLabel=dwdwww_menu2_wetterlexikon&_nfls=false
Auffällig ist bei genauerem Blick auf die sogenannte Beaufort-
Skala, dass die Geschwindigkeitsintervalle der verschiedenen
Windstärken nicht gleich groß sind. Der Grund dafür liegt in
der Historie begründet. Denn ursprünglich lag der Einteilung
der Windgeschwindigkeit der Versuch zu Grunde, die im 16ten und
17ten Jahrhundert wachsende Seefahrt mit Informationen über
günstige Handelsrouten zu versorgen. Erst in zweiter Linie
waren die Windgeschwindigkeiten an Land von Interesse. In
beiden Fällen aber versuchte man, über die Auswirkungen des
Windes dessen Stärke zu ermitteln. Ohne moderne Hilfsmittel
eine verständliche, aber schwierige Vorgehensweise. Dieses
Vorgehen erklärt das "schiefe" Bild der Skala, aber auch, warum
die höchste Stufe der Beaufort-Skala, die Stufe 12, nach oben
offen ist: Ab etwa 120 km/h beobachtete man schwere
Verwüstungen. Eine Steigerung im Schadensbild ist vielleicht
denkbar ("schwerste" Verwüstungen), aber wohl wenig sinnvoll.
Von solchen Windgeschwindigkeiten bleibt Deutschland allerdings
auch in den nächsten Tagen verschont, obwohl der Wind am
morgigen Donnerstag im Norden weiterhin für Auswirkungen sorgen
wird, die mit bloßem Auge leicht zu beobachten sein werden.
Äste schwanken, teils brechen Zweige und Äste, und das Gehen
fällt nicht immer leicht. Mit anderen Worten: erneut Windstärke
6 bis 9. Aber schlimmer sollte es nicht werden - wenn man von
den extrem windanfälligen Ecken einmal absieht.
Etwas anders dagegen die Lage in der Karibik. Hier ist zur Zeit
das tropische Tief "Thomas" vor der Küste Kolumbiens unterwegs.
Das National Hurricane Center in Miami gibt den Kerndruck mit
etwa 1005 hPa und den Wind mit etwa 30 Knoten (etwa 55 km/h,
Beaufort 7) an. Das beobachten wir, wie oben beschrieben, auch
bei uns. Aber "Thomas" scheint sich noch zu verstärken und Kurs
auf die dominikanische Republik und Haiti zu nehmen.
Dort wären erneute Zerstörungen nach dem verheerenden Erdbeben
sicherlich dramatisch.
Dienstag, den 2.11.2010
Thema des Tages
Der November
Im altrömischen Jahr war er ursprünglich der neunte Monat (von
lat. novem = neun) des Jahres, welches zu damaliger Zeit mit
dem März begann. Altdeutsche Namen für den November sind
Windmond (nach Karl dem Großen im 8. Jahrhundert), Nebelung
bzw. Nebelmond (Nebelmonat) aber auch Schlachtmond oder
Schlachtemonat, schließlich begannen zu dieser Jahreszeit die
Hausschlachtungen bzw. Schlachtfeste der bäuerlichen
Landbevölkerung. Im christlichen Kirchenjahr gilt die Zeit
zwischen Allerheiligen und Advent beiden Konfessionen als Monat
der Besinnung und des Gedenkens.
Im November verringert sich die Tageslänge in 50° nördlicher
Breite von 9 h 55 min am Monatsbeginn auf 8 h 31 min am
Monatsende. Den nächtlichen Himmel dominieren die Gestirne des
Winters, während die Sommersternbilder tief und verschwindend
am westlichen Horizont auszumachen sind.
Einige seiner alten Namen verraten schon den allgemeinen
Witterungscharakter des Novembers; windig und/oder neblig -
jedenfalls ungemütlich, und der Winter steht vor der Tür.
Windig und/oder neblig, hinter dieser Ambivalenz verbergen sich
typische Wetterlagen des Novembers. Bei ruhigem und andauerndem
Hochdruckwetter kühlt die vorherrschende Luftmasse aus,
Inversionen im vertikalen Temperaturverlauf bilden
Sperrschichten für den Austausch innerhalb der Atmosphäre und
lang andauernder Nebel oder Hochnebel sind die Folge.
Andererseits haben sich im November in den Polargebieten kalte
Luftmassen angesammelt, deren Ausbrüche nach Süden schwere
Stürme hervorrufen können.
Unser diesjähriger November startete vielerorts sonnig und
mild. Derzeit stellt sich eine Westwetterlage ein, d.h.
zwischen hohem Luftdruck über Südeuropa und einer umfangreichen
Tiefdruckzone über Nordeuropa fließt mit westlicher Strömung
atlantische Meeresluft nach Mitteleuropa, dabei sorgen
herangeführte Frontensysteme vor allem im Norden Deutschlands
für unbeständiges Wetter.
Montag, den 1.11.2010
Thema des Tages
Deutschlandwetter im Juni 2010:
Die wärmsten, trockensten und sonnigsten Orte in Deutschland
Erste Auswertungen der Ergebnisse von 2 100 Messstationen des
Deutschen Wetterdienstes (DWD) in ganz Deutschland
Besonders warme Orte im Juni 2010*
1. Platz Waghäusel-Kirrlach (Bad.-Württem.) 19,4°C Abweich.
+1,6 Grad
2. Platz Berlin-Alexanderplatz 19,1°C Abweich. +1,6 Grad
3. Platz Heidelberg (Baden-Württemberg) 19,1°C Abweich. +1,4
Grad
Besonders kalte Orte im Juni 2010*
1. Platz Carlsfeld (Sachsen) 12,9°C Abweich. +1,6 Grad
2. Platz Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen) 12,9°C Abweich. +1,3
Grad
3. Platz Kahler Asten (NRW) 13,0°C Abweich. +1,9 Grad
Besonders niederschlagsreiche Orte im Juni 2010**
1. Platz Siegsdorf-Höll (Bayern) 251,0 l/m² 127 Prozent
2. Platz Oy-Mittelberg-Petersthal (Bayern) 247,9 l/m² 126
Prozent
3. Platz Holzkirchen (Bayern) 226,4 l/m² 140 Prozent
Besonders trockene Orte im Juni 2010**
1. Platz Berlin-Dahlem 1,8 l/m² 3 Prozent
2. Platz Berlin-Tegel 1,8 l/m² 3 Prozent
3. Platz Berlin-Alexanderplatz 1,9 l/m² 3 Prozent
Besonders sonnenscheinreiche Orte im Juni 2010**
1. Platz Greifswalder-Oie (Mecklenb.-Vorp.) 336 Stunden 125
Prozent
2. Platz Leipzig-Schkeuditz (Sachsen) 323 Stunden 162 Prozent
3. Platz Arkona (Mecklenburg-Vorpommern) 319 Stunden 119 Prozent
Besonders sonnenscheinarme Orte im Juni 2010**
1. Platz Bad Kohlgrub-Rosshof (Bayern) 171 Stunden 100 Prozent
2. Platz Albstadt-Badkap (B.-Württemberg) 172 Stunden 82
Prozent
3. Platz Buchenbach (B.-Württemberg) 172 Stunden 78 Prozent
Bergstationen oberhalb 920 m NN sind hierbei nicht
berücksichtigt.
* Monatsmittel und Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Monatswertes zum vieljährigen Mittelwert der jeweiligen
Station
(normal = 100 Prozent)
Hinweis an die Redaktion:
Den Monatsüberblick für ganz Deutschland sowie die
Temperaturdaten der Bundesländer finden Sie im Internet unter
www.dwd.de/presse.
Detaillierte Informationen zu rund 400 ausgewählten
Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes finden Sie im
Wettershop des DWD unter http://www2.dwd-shop.
de/wetterrueckblick.html.
Sonntag, den 31.10.2010
Thema des Tages
Wettervorhersagen für die Hilfsorganisationen
Wann immer sich meteorologische- oder andere geophysikalische
Ereignisse in der Welt zu Katastrophen ausweiten, ist auch der
Deutsche Wetterdienst gefragt. Nicht bei der Vorhersage vor
Hurrikanen, Taifunen oder gar bei Erdbeben oder
Vulkanausbrüchen, sondern in der Folgezeit, wenn das technische
Hilfswerk und die anderen Hilfsorganisationen in betroffenen
Region versuchen, die Folgen der Katastrophen zu lindern.
Aktuellstes Beispiel ist Pakistan, in dem es zur Monsunzeit
teilweise an einem(!) Tag so viel regnete wie in den
Niederungen Deutschlands in sechs Monaten. Da wurden bis zum
Ende der Monsunzeit Anfang Oktober Regenvorsagen dringend
benötigt.
Zur Zeit sind wir mit Wettervorhersagen für die Dürrezone des
Sahel und dem am 12. Januar dieses Jahres von einem Erdbeben
und aktuell von der Cholera heimgesuchten Port au Prince
beschäftigt.
Während sich in der Sahelzone die Vorhersage im Wesentlichen
mit den wenigen Regenereignissen des Jahres auseinandersetzt,
ist in Port au Prince schon mehr Sachverstand gefragt.
Port au Prince liegt auf etwa 20 Grad Nord und damit genau wie
Pakistan im Bereich der sommerlichen innertropischen
Konvergenzzone. Das ist der Bereich, in dem die
Hochdruckgebiete wie zum Beispiel das Azorenhoch von Norden und
andere Hochs von Süden her ihre Luft hinlenken. Die kann
zwischen den Hochs der Passatwindzone in dem
Zusammenströmungsbereich (Konvergenzzone) natürlich nicht im
Boden versinken, sondern muss aufsteigen. Das führt zu den
tropischen Schauern und Gewittern, die in Ihrer Stärke bei uns
täglich zumindest zu Starkniederschlagswarnungen führen würden.
Die genaue Voraussage Ihrer Stärke ist für die dort aktiven
Hilfsdienste sehr wichtig, für uns allerdings sehr schwierig.
Zusätzlich kommt im Sommer und Frühherbst die Warnung vor
Hurrikans hinzu. Da sind wir natürlich auf die Erkenntnisse
unserer Kollegen in Amerika angewiesen.
Insgesamt sind die Vorhersagen für die Hilfsorganisationen ein
interessanter Aspekt unserer Arbeit. Sie führen uns
meteorologisch in fremde Regionen und bieten einige Abwechslung
vom relativen Einerlei der aktuellenVorhersage für Deutschland.
Samstag, den 30.10.2010
Thema des Tages
Nachts kalt - tagsüber mild
An der Westflanke von Hochdruckgebiet Quentin strömt seit Tagen
sehr milde Luft nach Mitteleuropa. Bedingt durch die schon
kräftige nächtliche Ausstrahlung bei klarem Himmel stellt sich
dabei in unseren Gefilden eine Inversionswetterlage ein, bei
der die Temperatur in Bodennähe schon recht niedrig ist, mit
zunehmender Höhe aber ansteigt. Im bayerischen Oberschleißheim
wurden in der Nacht zum Samstag in 500 Meter Höhe 5 Grad
gemessen. Darüber wurde es dann rasch wärmer und in circa 1000
Meter lag die Lufttemperatur bei 16 Grad, erst von dort an
wurde es mit zunehmender Höhe wieder kälter. Eine Folge sind
milde Nachttemperaturen auf den Bergen und besonders tiefe
Temperaturen in Tälern und Mulden, wo sich die kalte Luft
sammelt und sich entsprechend der Jahreszeit häufig Nebel und
Frost einstellt.
Ein weiterer Effekt ist, dass die höchsten Maxima nicht
unbedingt in den `klassischen` Regionen auftreten. Der Freitag
war im Südwesten am wärmsten, was zunächst mal noch ziemlich
gewöhnlich aussieht. Bei näherer Betrachtung lagen die
mildesten Orte etwas erhöht an der Nordflanke der schwäbischen
Alb, was dann schon weniger häufig vorkommt. So wurden in
Hechingen (500m), Metzingen und Notzingen jeweils als 21 Grad
als Höchstwert gemeldet. Auch im Südschwarzwald (Buchenbach)
machte das Quecksilber erst bei 21 Grad halt, während es
Freiburg `nur` auf 18 Grad brachte. Bei der Lage dieser Orte
könnten auch leichte Föhneffekte den hohen Maxima zu Gute
gekommen sein. Der Höchstwert in Hechingen kam übrigens nach
einer Frühtemperatur von knapp unter 0 Grad zu Stande. Die
tiefste Temperatur dort lag bei minus 0,2 Grad, die gesamte
Temperaturspanne an diesem Freitag betrug in Hechingen somit
mehr als 20 Grad.
Dipl.-Met. Bernd Zeuschner
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Freitag, den 29.10.2010
Thema des Tages
Taifun CHABA
Der wahrscheinlich nach einem ägyptischen Pharao (3.Dynastie,
Altes Reich) benannte tropische Wirbelsturm CHABA entstand vor
acht Tagen im Seegebiet etwa 300 km westlich der Marianen bei
etwa 18° nördlicher Breite und 142° östliche Länge. Er zog
zunächst west-, dann nordwestwärts, bog nach schließlich Norden
ab und läuft seit gestern mit nordöstlichem Kurs und einer
Verlagerungsgeschwindigkeit von ca. 20 km/h. Laut jüngsten
Prognosen des amerikanischen Joint Typhoon Warning Center
(JTWC) verläuft seine Zugbahn südöstlich an den Japanischen
Inseln vorbei, wobei sich sein Zentrum morgen Abend (Ortszeit)
der Südostspitze der Hauptinsel Honsh? bis auf ca. 100 km
nähert. Somit dürfte vor allem auch der dicht besiedelte
Großraum Tokio von Orkanböen und sintflutartigem Regen
betroffen sein. Gott sei Dank scheint CHABA seinen Höhepunkt
bereits überschritten zu haben. Während gestern noch
Windgeschwindigkeiten von 200 km/h bei Spitzenböen von bis zu
250 km/h geschätzt angenommen wurden, geht das JTWC derzeit von
140 bis 170 km/h aus und prognostiziert für morgen noch 100 bis
120 km/h.
Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Donnerstag, den 28.10.2010
Thema des Tages
Das Wetter in Ost- und Südostasien
Während unser Wetter vom Ringen unterschiedlicher Luftmassen
(subtropisch vs. polar) um die Vorherrschaft in Europa lebt,
welches sich insbesondere im Winterhalbjahr in starken
Tiefdruckgebieten mit markanten Wetterfronten ausprägt, finden
sich in den Tropen eher geringe Luftdruckgegensätze, wenn man
von den allerdings regional häufigen Wirbelstürmen (Hurrikane
in Amerika bzw. Taifune und Zyklone in Asien) einmal absieht.
Derzeit befindet sich der Taifun CHABA etwa bei 25 °N, 129 °E;
verlagert sich mit einer Geschwindigkeit von ca. 20 km/h
nordostwärts und greift unter Abschwächung in Kürze auf die
Japanischen Inseln über. Vom amerikanischen Joint Typhoon
Warning Center wurden für heute früh Windgeschwindigkeiten von
200 km/h bei Spitzenböen von bis zu 250 km/h angenommen.
Generell wird das Tropenwetter im Wesentlichen durch den
Verlauf der sog. Innertropischen Konvergenzzone (ITC), einem im
Laufe des Jahres den Sonnenhöchstständen folgenden, durch
Konvektion verursachten, weltumspannenden Tiefdruckgürtel und
die damit verbundenen, meist ergiebigen Zenitalregenfälle
dominiert.
Zu den feuchtesten Gegenden der Erde gehören das südliche
Indochina und der Malaiische Archipel, wo es auch in den
vergangenen Tagen wieder verbreitet und kräftig regnete.
Innerhalb von vierundzwanzig Stunden bis heute früh 00:00 UTC
registrierte man im indonesischen Palangkaraya (Borneo, 00°49'S,
114°00'E, 27 m NN) sintflutartige 282 L/m² (= mm), in Paloh
(ebenda, 01°56'N, 109°19'E, 15 m NN) 112 mm sowie innerhalb von
zwölf Stunden 98 mm im südvietnamesischen Nha Trang (12°19'N,
109°10'E, 3 m NN).
(Eine Karte der Luftdruckverteilung und der Regenmengen vom
28.10.2010, 00:00 UTC, finden Sie rechts in der Rubrik "Thema
des Tages" unter [mehr].)
Mittwoch, den 27.10.2010
Thema des Tages
Tropenregen in Thailand
Da es in den Tropen keine thermischen, d.h. durch
Temperaturunterschiede definierbaren Jahreszeiten gibt, muss
eine saisonale Differenzierung anhand der
Niederschlagsverhältnisse erfolgen. Diese werden im
Wesentlichen durch den Verlauf der der sog. Innertropischen
Konvergenzzone (ITC), einem im Laufe des Jahres den
Sonnenhöchstständen folgenden, durch Konvektion verursachten,
weltumspannenden Tiefdruckgürtel und die damit verbundenen
Zenitalregenfälle dominiert.
Die Gebiete der inneren Tropen, das ist die Zone um den Äquator
bis ca. 10° nördlicher und südlicher Breite, werden innerhalb
eines Jahres entsprechend dem Sonnenlauf von der ITC zweimal
überquert. Somit weisen sie zwei mehr oder weniger deutlich
ausgeprägte Niederschlagsmaxima im "Frühling" sowie im "Herbst"
auf.
Die Malaiische Halbinsel trennt die nordöstlichen Bereiche des
Indischen Ozeans von den westlichen des Pazifik, auf der
Halbinsel liegen Teile der Staatsgebiete von Birma, Thailand
und Malaysia. Sie liegt größtenteils in den inneren Tropen und
man befindet sich derzeit klimatisch noch im Bereich des
herbstlichen Niederschlagsmaximums, "Wolkenbrüche" stehen also
auf der Tagesordnung. So fielen innerhalb von vierundzwanzig
Stunden bis heute früh 06:00 UTC an der agrarmeteorologischen
Station Kho Hong (Thailand, 07°05'N, 100°30'E, 7 m NN) 139 mm.
In den Randtropen, mit wachsender geographischer Breite und
Annäherung an die Wendekreise, verringert sich der Zeitraum
zwischen den ITC-Passagen immer mehr und das doppelte
Niederschlagsmaximum geht schließlich in ein einfaches,
schwerpunktmäßig im Sommer der jeweiligen Hemisphäre gelegenes
Maximum über. Somit nähert sich weiter nördlich, in
Zentralthailand, die Regenzeit ihrem Ende. Dennoch reichte es
in dem Streifen um 100°E zwischen circa 14°N und 17°N noch
verbreitet für sintflutartigen Regen. Bis gestern Abend 18:00
UTC registrierte man in Phitsanulok 135 mm, in Chainat 107 mm
und in Nakhon Sawan immerhin noch 98 L/m².
Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Dienstag, den 26.10.2010
Thema des Tages
Noch keine Ruhe über tropischen Gewässern
Die Hurrikansaison dauert im tropischen Nordatlantik laut
Definition bis Ende November. Ähnliches gilt auch für die
tropischen Stürme im Pazifikraum. Allerdings halten sich
Wettersysteme naturgemäß nicht an den Kalender, sondern an
physikalische Vorgaben. Das bedeutet für tropische Wirbelstürme
neben anderen Randbedingungen, wie den Verhältnissen in der
höheren Atmosphäre und genügend Abstand vom Äquator, zunächst
mal eine ausreichend hohe Wassertemperatur von in der Regel
minimal 26 oder 27 Grad. Da unter 'günstigen' Umständen diese
Bedingungen auch im Dezember noch erfüllt sein können, ist das
Auftreten solcher Wettererscheinungen auch zu so
fortgeschrittener Jahreszeit nicht auszuschließen
Derzeit jedenfalls läuft die Saison noch. Das Sturmsystem mit
den nach aktuellen Daten 'besten' Entwicklungschancen ist dabei
Taifun CHABA über dem offenen Nordwestpazifik. Wie es aussieht,
wird sich der Taifun in den kommenden Tagen noch verstärken und
zunächst nordwärts ziehen. Dabei passiert der Kern die südlich
Japans liegenden Nansei-Inseln mit voraussichtlich 200
Kilometer Abstand, um schließlich nach Nordosten zu schwenken
und auf die Südostküste der japanischen Hauptinseln
zuzusteuern. Zum kommenden Wochenende besteht somit in den
dortigen dicht besiedelten Regionen der Inseln, auch im
Großraum Tokyo, die Gefahr eines 'Volltreffers'. Noch ist die
genaue Entwicklung von CHABE nicht bis ins Detail klar, und
auch die Hoffnung, dass der Taifun auf den offenen Pazifik
abdreht, muss noch nicht aufgegeben werden. Sollte es jedoch
zum Landgang des Taifuns kommen, muss neben den möglicherweise
zu erwartenden orkanartigen Winden vor allem wieder mit
sintflutartigen Regenfällen gerechnet werden, die durch
Staueffekte des kurz hinter der Küste bereits steil
ansteigenden Berglandes noch verstärkt werden.
Montag, den 25.10.2010
Thema des Tages
Der kälteste Winter seit 100(0) Jahren
Es musste offensichtlich mal wieder sein - durch den
Blätterwald rauschten vergangene Woche Berichte über den zu
erwartenden Horrorwinter, der von ein paar 'Wissenschaftlern'
ausgerufen wurde. Kritische Zeitgenossen fragen sich natürlich,
'kann das denn sein?'. Die Antwort ist simpel. Natürlich KANN
der kommende Winter der kälteste seit 100 oder 1000 Jahren
werden. Er KANN aber genau so gut der mildeste seit 1000 Jahren
werden. Am wahrscheinlichsten ist es jedoch (Vorsicht
Binsenweisheit!), dass er irgendwo zwischen diesen Extremen
liegt, mutmaßlich sogar etwas näher an der Mitte des
Temperaturbereichs als ganz außen an den Rändern.
Doch abgesehen von solchen Sensationsmeldungen stellt sich die
Frage, was an langfristigen Vorhersagen über eine kommende
Jahreszeit zum derzeitigen Stand des Wissens überhaupt möglich
ist. Ein großes Interesse an Jahreszeitvorhersagen gibt es
vermutlich seit es Menschen gibt. Erste wissenschaftliche und
Erfolg versprechende Ansätze kamen dabei aus der Statistik.
Mittels Analogiebetrachtung vergangener Wetterentwicklungen
(wie wurde der Winter nach einem Herbst, der so ähnlich ablief
wie der aktuelle) oder statistischer Zusammenhänge zwischen
großräumigen Druck- und Temperaturmustern im Laufe der Monate
oder Jahreszeiten versuchte (und versucht) man, auf
langfristige Entwicklungen zu schließen. Immerhin gibt es ein
paar langfristige Vorhersagregeln, die Trefferquoten
signifikant über dem Zufallsprinzip liefern. So folgt in
Mitteleuropa einem deutlich zu warmen Oktober, der zudem auch
trockener als im klimatologischen Mittel war, recht häufig ein
kalter Januar. Mit einer Trefferquote von rund 2/3 ist das
schon ein recht brauchbarer Hinweis für eine
Langfristvorhersage. Allerdings sind die Eingangsbedingungen
solcher Regeln (das 'Kleingedruckte') recht eng gefasst, so
dass am Ende nicht allzu viele Vergleichsfälle betrachtet
werden können. Außerdem sagt ein statistischer Zusammenhang
noch nicht viel über eine wissenschaftlich fundierte Ursache-
Wirkungskette, also einen kausalen Zusammenhang, aus (Das in
der Statistik gern zitierte Beispiel über den statistisch
signifikanten Zusammenhang zwischen der Anzahl brütender
Storchenpaare und der Geburtenrate in Mecklenburg-Vorpommern
ist eine gute Veranschaulichung dafür).
Heute gehen die Forschungen eher in eine andere Richtung. In
komplexen Computermodellen wird versucht, die langfristige
Auswirkung von recht trägen, witterungsrelevanten Parametern,
wie beispielsweise Temperaturanomalien von großen Meeresflächen
und -strömungen, zu berechnen. Immerhin, im tropischen Pazifik
gelingt das schon recht ordentlich. Das dort großräumig
auftretende Phänomen 'El Nino' lässt sich in
zufriedenstellender Weise ein paar Monate im Voraus abschätzen.
Die Ergebnisse für Mitteleuropa sehen deutlich bescheidener
aus. Immerhin gibt es ein paar vage Vorhersagen über
Wahrscheinlichkeiten (die Wahrscheinlichkeit für einen
milden/kalten Winter ist etwas höher/niedriger als im Mittel
usw. ...). Letztendlich sind diese Vorhersagen aber nur für
hochspezialisierte Branchen von Interesse, denen es nicht auf
eine hohe Trefferquote im Einzelfall (für diesen Winter)
ankommt, sondern wo es ausreicht, dass es über lange Zeiträume
hinweg etwas häufiger Treffer als Nieten gibt.
Der langen Rede kurzer Sinn - Wie der kommende Winter ausfällt,
weiß letztlich niemand. Doch ein paar Dinge können schon heute
mit annähernd 100 %-iger Wahrscheinlichkeit vorhergesagt
werden. Es wird garantiert ein paar 'Experten' geben, die es
vorher schon wussten. Und es wird viele Menschen geben, die mit
dem Winterwetter absolut unzufrieden sein werden.
Lassen wir es also einfach auf uns zu kommen.
Dipl.-Phys. Ansgar Engel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Sonntag, den 24.10.2010
Thema des Tages
Weltweites Niederschlagsdefizit
Nachdem gestern zwei Niederschlagmessgeräte in Kurzfassung
vorgestellt wurden, gehen wir heute auf einige Messfehler und
deren Konsequenzen ein.
Von den vielen Fehlerquellen bei den Niederschlagsmessungen
greifen wir nur zwei heraus.
Das größte Problem ist der Windeinfluss, den man mit bloßem
Auge bei Schneefall und Wind beobachten kann.
Die Schneeflocken fallen schräg auf den Niederschlagsmesser zu
und, bevor sie durch die Öffnung in den Topf hereinfallen,
werden sie vom Aufwind, der vom Messgerät verursacht wird,
nochmals hoch gewirbelt und landen auf der windabgelegenen
Seite am Boden und nicht im Messgerät.
Weht der Wind lang genug aus gleicher Richtung mit gleicher
Geschwindigkeit, finden wir im Lee des Messzylinders einen
Schneehaufen, der eigentlich im Messgerät landen sollte.
Die Größe der dadurch verursachten Messfehler erreicht bei
Pulverschnee Werte bis zu 400%. Man kann sich vorstellen, welch
große Messfehler in alpinen, polaren oder windigen Gebieten im
Laufe der Zeit entstehen.
Es gibt verschiedene Maßnahmen, den Windfehler zu reduzieren,
sie sind allerdings alle nur Behelfe.
So kann man um die Niederschlagsmesser einen Windschutz
aufbauen. Das wird auf Bergstationen planmäßig durchgeführt.
Steht ein Windmesser in der Nähe, lassen sich über im Labor
gemessene Beziehungen zwischen Messfehler und
Windgeschwindigkeit die Messungen mit einem Zuschlag korrigieren.
Der Windeinfluss führt zu einer Unterschätzung des tatsächlich
gefallenen Niederschlags.
Die Höhe der Abweichung hängt von Windstärke und Art des
Niederschlags ab.
Da die Windgeschwindigkeit in die Niederschlagsmessungen
eingeht, sollten klimatologische Niederschlagstrends ohne
Berücksichtigung eventueller Änderungen der Windgeschwindigkeit
immer mit Vorsicht genossen werden.
Das zweite hier beschriebene Problem entsteht durch
unterschiedliche Messergebnisse allein aufgrund verschiedener
Messmethoden.
Betrachten wir uns die beiden gestern beschriebenen Geräte, so
treten insbesondere beim Tropfenzähler folgende weitere Fehler
auf.
Um die festen Niederschläge zu schmelzen, ist der Tropfenzähler
beheizt. Dadurch verdunsten Teile des Niederschlags statt an
der Zähleinrichtung vorbeizufallen.
Bei sehr starken Regenfällen kann der Zähler einzelne Tropfen
nicht zählen, da das Regenwasser als Rinnsal an ihm
vorbeifließt.
Der Tropfenzähler misst damit im Sommer und Winter bei gleichem
Niederschlagseintrag weniger Niederschlag als das Messgerät mit
Sammelkanne.
Nehmen wir an, ein Land misst den Niederschlag mit der
Sammelkanne und das Nachbarland mit dem Tropfenzähler. Dann
können an der Grenze direkt nebeneinander stehende
Niederschlagsmesser zu unterschiedlichen Werten der
Niederschlagshöhe führen, obwohl die gefallenen Niederschläge
gleich hoch sind.
Das kann, wenn die Regenmengen in der Nähe von Schwellenwerten
liegen, dazu führen, dass in einem Land Hochwasseralarm
ausgelöst wird, im anderen Land hingegen nicht.
Dies war nur ein Ausschnitt aus der Vielfältigkeit der
Messfehler. Insgesamt führen sie bei flüssigen Niederschlägen
zu einem Niederschlagsdefizit von 5 bis 15%, bei festen
Niederschlägen zwischen 20 und 50 %. In windexponierten Lagen
sind sie noch deutlich höher.
Da alle Messgeräte weniger Niederschlag messen als tatsächlich
fällt, haben wir ein weltweites Niederschlagsdefizit allein
wegen der Messmethoden.
Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Samstag, den 23.10.2010
Thema des Tages
Die Niederschlagsmessung
Das Messen des Niederschlages gehört, obwohl es sich zunächst
eher trivial anhört, zu den eher komplizierteren Messungen.
Insbesondere die Messung von Schnee führt zu hohen Messfehlern.
Aber alles der Reihe nach.
Die veröffentlichten Niederschlagsmessungen haben die Einheit
mm oder Liter pro Quadratmeter, was beides den gleichen Wert
ergibt.
Wer's nicht glaubt, dem sei gesagt, dass 1 Liter 1.000000 mm³
und 1 Quadratmeter 1.000000 mm² hat und damit der Quotient
Liter/m² 1 mm ergibt.
Wer also einen Liter Wasser auf einen Quadratmeter gießt und
ihn gleichmäßig verteilt, misst einen Wasserstand von 1 mm.
Ausgehend von der Definition bräuchte man lediglich die
Wassermenge zu bestimmen, die auf einen Quadratmeter fällt. Man
gräbt beispielsweise einen Trichter mit einer Öffnungsfläche
von einem Quadratmeter in den Boden ein, wobei die
Trichteröffnung genau in Erdbodenhöhe ist. Die aufgefangene
Regenmenge leitet man in einen Sammelbehälter und bestimmt
anhand einer Skala oder durch das Gewicht die gefallene
Wassermenge. Aus messtechnischen Gründen (z.B. Verschmutzung
durch Laub, umständliches Messen bei einem im Erdboden
versenkten Sammelbehälter etc.) kann man so etwas nur an
speziellen Forschungsstellen durchführen. Im täglichen Betrieb
ist das nicht möglich.
Operationell, also im täglichen Routinebetrieb, wird ein
Messgefäß mit einer bekannten Öffnungsfläche aufgestellt (in
Deutschland beispielsweise 200cm²), wobei die Oberkante des
Niederschlagsmessers in 1 m Höhe liegt. Der Niederschlag fällt
in das Messgerät und fließt dann in den Sammeltrichter am
Boden. Unter dem Trichter gibt es entweder eine Sammelkanne
oder einen Tropfenzähler.
Die Niederschlagsmessung mit der Kanne erfolgt nach Umfüllen in
einen Messbecher, der entsprechend der Öffnungsfläche des
Messgerätes in Millimetern geeicht ist. An der Skala liest man
die Niederschlagshöhe ab. Falls fester Niederschlag, also
Schnee oder Eis, im Niederschlagsmesser liegt, nimmt der
Beobachter das gesamte Gerät mit in die Wetterstation. Dort
schmelzen Schnee und Eis und fließen in die Sammelkanne.
Der Tropfenzähler berechnet aus der Anzahl der Tropfen die
Niederschlagsmenge.
Bei festen Niederschlägen muss er beheizt sein, um sie zu
schmelzen. Das Schmelzwasser kann dann vom Tropfenzähler
gezählt werden.
(Wer sich das genauer anschauen möchte, findet unter den
Stichworten
Hellmann Niederschlagsmesser bzw. Tropfenzähler Niederschlag
weitere Informationen)
Die beiden Messverfahren sehen auf den ersten Blick sehr
vernünftig aus, die Messprobleme sind aber immens.
Und davon wird dann voraussichtlich im morgigen Thema des Tages
die Rede sein.
Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Freitag, den 22.10.2010
Thema des Tages
Die Westwetterlage
Stürmisches und wechselhaftes Wetter herrscht derzeit über
Nord- und Nordwesteuropa bis hinein nach Norddeutschland. Die
Ursache dafür ist die dominierende Großwetterlage, in diesem
Fall die sogenannte Westwetterlage. Sie ist eine der häufigsten
Großwetterlagen in Europa. Als Großwetterlage wird eine
charakteristische Strömungsanordnung (Verteilung der Hoch- und
Tiefdruckgebiete) in der unteren Atmosphäre bezeichnet, die
sich mehrere Tage kaum ändert.
Charakteristisch für eine Westwetterlage ist eine West-
Ostverlagerung von Tiefdruckgebieten,
die sich in rascher Abfolge meist zwischen dem 50. und 60.
Breitengrad vom Nordatlantik über die Britischen Inseln zur
Nord- und Ostsee und anschließend nach Osteuropa bewegen. Dabei
überqueren ihre Ausläufer das nördliche Mitteleuropa und es
wechseln sich Phasen mit zahlreichen Schauern und längeren
Niederschlägen mit kurzen trockenen Perioden ab. Im südlichen
Mitteleuropa hingegen herrscht oft besseres Wetter, da dort
Hochdruckeinfluss vorherrscht.
Im Winter bleibt es bei Westwetterlagen relativ mild, denn die
Luft kommt dann vom relativ warmen Atlantik. Schnee fällt dann
nur in den höheren Mittelgebirgen. Im Sommer hat der Atlantik
hingegen eine abkühlende Wirkung. Besonders im Herbst und
Frühling sind solche Wetterlagen öfter mit Stürmen verbunden,
denn zu diesen Zeiten sind die Temperaturgegensätze zwischen
tropischer Warmluft und polarer Kaltluft in unseren Breiten
besonders groß. Somit können sich während einer Westwetterlage
stärkere Druckgegensätze an der Grenze zwischen Warm- und
Kaltluft (Polarfront) aufbauen.
Dies war am gestrigen Donnerstag beim Sturmtief TINA der Fall.
TINA zog von Schottland über die Nordsee zur Ostsee und brachte
auf ihrer Südflanke Norddeutschland Sturm. Die höchste
Windgeschwindigkeit wurde mit einer orkanartigen Böe von 112
km/h an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste in Büsum
gemessen, aber auch im angrenzenden Binnenland gab es Sturmböen.
Am häufigsten treten Westwetterlagen im Juli und August auf und
sorgen dann für den typischen wechselhaften Sommer. In den 90er
Jahren waren diese Wetterlagen noch vorherrschend. In den
letzten Jahren hat jedoch ihre Anzahl abgenommen.
Auch jetzt wird die Westlage nur von kurzer Dauer sein. Denn
ein neues Hochdruckgebiet baut sich am Sonntag über dem
Atlantik auf und verlagert sich Richtung Großbritannien. Dieses
Hoch blockiert die West-Ost-Zugbahn der atlantischen
Tiefdruckgebiete und beendet somit die Westlage. Dies bedeutet
jedoch nicht, dass wir auch in Deutschland besseres Wetter
erwarten können. Das Gegenteil ist der Fall, denn Mitteleuropa
bleibt unter Tiefdruckeinfluss und mit einer nördlichen
Strömung wird am Montag der Weg frei für einen erneuten Vorstoß
polarer Meeresluft.
Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Donnerstag, den 21.10.2010
Thema des Tages
Von O bis O.
Vor allem in der Mitte und im Süden Deutschlands gab es am
Mittwochabend und heute früh erste Unfälle aufgrund von Glätte
durch Graupelschauer, in den Hochlagen der Mittelgebirge auch
durch Schnee.
Schuld hat ein Tiefdruckkomplex über Skandinavien. Innerhalb
dieser Tiefdruckzone entwickeln sich immer wieder teils recht
intensive Tiefs, wie "Saphira". Dieses sorgte nicht nur für
stürmische Zeiten an der Nord- und Ostseeküste, nein, dieses
lenkte auch kalte Luftmassen polaren Ursprungs in die Mitte
Deutschlands. Im Laufe des gestrigen Nachmittags und Abends kam
es vermehrt im Norden und in der Mitte Deutschlands zu
Graupelschauern, die schon für erste Rutschpartien auf den
Straßen ausreichten.
In den Mittelgebirgen konnte sich oberhalb 800 Meter eine dünne
Schneedecke bilden. Auf dem Brocken sind bis Donnerstag Früh 7
cm Neuschnee gefallen. Spitzenreiter ist jedoch der Alpenraum.
Mit 40 cm Neuschnee auf der Zugspitze findet man in Deutschland
wohl kein Fleckchen mit mehr Schnee.
Diese doch eher winterlich vermutenden Straßenverhältnisse
überraschten wohl den einen oder anderen Autofahrer. Eine alte
Regel für das Umziehen der Winterreifen besagt aber "von O bis
O". Also von Oktober bis Ostern muss mit winterlichen
Bedingungen wie Frost und Schnee gerechnet werden. Die Zeit der
Winterreifen ist also gekommen!
Auch wenn es in den nächsten Tagen mit Tief "Tina" etwas milder
wird, muss Anfang nächster Woche wieder mit sinkenden
Temperaturen und vielleicht wieder vermehrt mit Schnee
gerechnet werden.
Dipl.-Met. Christina Speicher
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Mittwoch, den 20.10.2010
Thema des Tages
Erste Vorboten des Winters
Etwas mehr als zwei Wochen ist es jetzt her, dass in
Deutschland noch stellenweise Sommertage (mit einer
Höchsttemperatur über 25 Grad) registriert wurden. So konnten
am 04. Oktober im oberbayerischen Wielenbach noch 25,9 Grad
gemessen werden, auch andernorts im Alpenvorland und in Baden
war es ähnlich warm. Doch die Jahreszeit schreitet schnell
voran und so ergab sich am heutigen Mittwochmorgen ein völlig
anderes Bild: In den höheren Mittelgebirgen und am Alpenrand
hat der Winter Einzug gehalten. So sank das Quecksilber in der
vergangenen Nacht oberhalb 800 bis 1000 m meist etwas unter 0
Grad. Somit gingen die Niederschläge zunehmend in Schnee über
und es konnte sich sogar schon eine erste Schneedecke bilden,
was die Meldungen von heute früh aus dem operationellen
Stationsnetz des DWD demonstrieren:
Feldberg (Schwarzwald): 14 cm
Großer Arber (Bayer. Wald): 13 cm
Hohenpeißenberg (Alpenvorland): 9 cm
Fichtelberg (Erzgebirge): 4 cm
Brocken (Harz): 3 cm
Oberstdorf (Allgäuer Alpen): 2 cm
Wasserkuppe (Rhön): 1 cm
Im Laufe des Tages erreicht am Mittwoch von Nordwesten her ein
neuer Schwall noch etwas kälterer polarer Meeresluft
Deutschland. Dies führt dazu, dass die Schneefallgrenze ab dem
Nachmittag noch weiter sinkt. Bis zum Donnerstagmorgen kann es
dann in den Mittelgebirgen und am Alpenrand oberhalb etwa 500
bis 600 m gebietsweise weiß werden, im Erzgebirgsvorland sinkt
die Schneefallgrenze sogar bis auf 200 m herab. Damit verbunden
sind natürlich auch wieder winterliche Straßenverhältnisse mit
Schneematsch und überfrierender Nässe. Dies sollte auch die
Autofahrer aus dem Flachland dazu motivieren, ihr Fahrzeug
langsam winterfest zu machen.
Um den Frühwinter perfekt zu machen schickt uns das zuständige
Tief "Saphira" nicht nur Kälte, sondern auch Sturm. So wird der
Wind am heutigen Mittwoch im Norden des Landes stetig zunehmen,
an der Nordsee und später auch an der Ostsee sind dann bis in
die Nacht hinein Sturmböen und sogar schwere Sturmböen zu
erwarten. Auch in den Hochlagen einiger Mittelgebirge erreicht
der Wind ähnliche Stärke, so dass dort auch Schneeverwehungen
ein Thema werden.
Zum Abschluss gibt es aber auch noch etwas Positives zu
vermelden: Ab Donnerstag ändert sich die Wetterlage wieder
langsam und eine typische Westwetterlage stellt sich ein. Damit
erreichen uns vom Atlantik her zögernd mildere Luftmassen und
der Winter verabschiedet sich wieder aus unseren Hochlagen.
Während das Wetter im Norden Deutschlands dabei unbeständig und
windig bleibt, stellt sich im Süden des Landes meist ruhiges,
teils sogar freundliches, teils aber auch neblig-trübes Wetter
ein.
Dienstag, den 19.10.2010
Thema des Tages
Augen im Weltall
Vor über 50 Jahren hatten es die Meteorologen mit der
Erstellung ihrer Wetterprognosen wirklich nicht leicht. Für
jede Vorhersage mussten die dafür nötigen physikalischen Felder
mühselig aus spärlich vorhandenen Beobachtungsdaten
interpoliert werden. Diese Daten stammten meist von
ungleichmäßig verteilten Wetterstationen an Land.
Höheninformationen bekam man nur von einigen wenigen Messungen,
die mittels Wetterballons gemacht wurden. Über den Meeren, die
immerhin 71 % unserer Erdoberfläche bedecken, erhielt man
abgesehen von ein paar sporadischen Schiffsmeldungen so gut wie
überhaupt keine Daten.
Heutzutage haben es die Meteorologen bei ihren Vorhersagen
schon deutlich leichter. Numerische Wettermodelle, die auf
Supercomputern gerechnet werden, lösen die physikalischen
Gleichungen und berechnen unser Wetter mehrere Tage in die
Zukunft. Sie bilden somit die Basis der modernen
Wettervorhersage. Für diese Berechnungen ist es allerdings
unerlässlich den 3-dimensionalen Anfangszustand der Atmosphäre
so genau wie möglich zu erfassen. Da man aber heute über den
Meer ebenfalls nur einige Messungen von Bojen, Bohrplattformen
und Schiffen zur Verfügung hat, sind Wettersatelliten aus der
modernen Wettervorhersage nicht mehr weg zu denken. Wie große
Augen aus dem Weltall schauen sie auf die Erde herab und
liefern uns weltumspannende Messdaten.
Die Geschichte der Wettersatelliten begann am 1. April 1960 mit
dem amerikanischen Satellit TIROS 1. Er war der erste Satellit,
der ausgerüstet mit einer Kamera Bilder von Wolkenfeldern aus
dem All zur Erde sendete. Heute umspannt ein ganzes Netz von
Wettersatelliten den Erdorbit.
Man unterscheidet 2 Typen von Satelliten. Zum einen gibt es die
geostationären Wettersatelliten wie zum Beispiel der neueste
europäische METEOSAT-9. Dieser befindet sich in einer Höhe von
35786 km über dem Äquator. Von der Erde aus betrachtet steht er
immer an einem festen Punkt, da er sich mit derselben
Geschwindigkeit um die Erde dreht, wie die Erde sich um sich
selbst dreht. Die geostationären Satelliten liefern alle 5
Minuten ein Bild mit der Auflösung von etwa 1 km. Die Auflösung
nimmt jedoch an den Bildrändern und in Richtung der Pole ab.
Außerdem gibt es noch polarumlaufende Satelliten wie zum
Beispiel NOAA. Diese tasten die Erde beim Flug von Pol zu Pol
in einer Höhe von etwa 800 km ab. Der Vorteil liegt in der
höheren räumlichen Auflösung von bis zu 100 m. Jedoch benötigen
sie für einen Umlauf 101 Minuten. Die Erdoberfläche wird dabei
in 12 Stunden einmal komplett abgetastet.
Wettersatelliten sind passive Messgeräte, die keine Strahlung
aussenden, wie beispielsweise ein Radar. Sondern sie messen die
von der Erde reflektierte oder ausgesendete Strahlung. Doch
wird nicht nur Strahlung im sichtbaren Bereich des Spektrums
(reflektiertes Sonnenlicht) gemessen, sondern auch die
unsichtbare Infrarot-(Wärme)Strahlung. Da die Erde auch nachts
Wärmestrahlung im Infrarotbereich aussendet, kann man somit
auch nachts Satellitenbilder empfangen. Kombiniert man mehrere
Messbereiche des Spektrums sowohl im Infraroten wie auch im
sichtbaren Bereich, so kann man daraus verschiedene
physikalische Eigenschaften der Atmosphäre ableiten. Zum
Beispiel erhält man Informationen über die Verteilung des
Wasserdampfs, physikalische Eigenschaften von Wolken und sogar
Vertikalprofile der Temperatur. Damit liefern Wettersatelliten
nicht nur Daten für die Eingabefelder für Wettermodelle sondern
auch wertvolle Informationen zur Analyse der aktuellen
Wetterlage und aktuelle Daten für die Atmosphärenforschung.
Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Montag, den 18.10.2010
Thema des Tages
Das Wetter in Südostasien...
...wird derzeit vor allem durch den Taifun MEGI bestimmt, der
in der vergangenen Nacht mit einer Verlagerungsgeschwindigkeit
von knapp 10 Knoten und Windspitzen von ca. 300 km/h ! (JTWC,
www.usno.navy.mil) die Philippinen erreicht hat. Am schwersten
betroffen sind laut Behördenangaben die Provinzen Cagayan und
Isabela auf der nördlichen Insel Luzon, wo tausende Menschen
vor dem Sturm geflohen sind. An der Wetterstation Tuguegarao
(17°44'N, 121°45'E, 61 m NN) wurden innerhalb von
vierundzwanzig Stunden bis heute früh 00:00 UTC 91 mm Regen
registriert, weiter südlich auf der Insel Mactan (10°20'N,
123°58'E, 23 m NN) waren es 69 mm und in Aparri (Nordküste von
Luzon, 18°27'N, 121°37'E, 2 m NN) 66 mm. Angesichts eines
klassifizierten Super-Taifuns klingt das nicht sehr viel,
allerdings lassen in den Bergen Luzons beobachtete Erdrutsche
örtlich größere Niederschlagsmengen vermuten. Nach Prognosen
des Joint Typhoon Warning Center (JTWC) schwächt sich MEGI über
Luzon vorübergehend ab, gewinnt jedoch über dem Südchinesischen
Meer wieder an Kraft und landet im Verlaufe des 23.10.2010 an
der chinesischen Küste im Abschnitt zwischen der Insel Hainan
und Hongkong.
Auch anderswo in der Region zeigte die Natur ihre Kraft, auf
Hainan gab es, noch weit vor dem Sturm, zum wiederholten Male
sintflutartige Regenfälle. Innerhalb des vergangenen Tages bis
heute früh 00:00 UTC fielen in Qionghai (19°19'N, 110°32'E,
25 m NN) 158 mm und in Danxian (19°36'N, 109°42'E, 169 m NN)
126 mm. Am Golf von Tonkin (Vietnam) führte gewittriger Regen
in zwölf Stunden in Thanh Hoa (19°49'N, 105°45'E, 5 m NN) zu
132 mm und in Tong Phaphum (Thailand, 14°51'N, 098°39'E,
97 m NN) in vierundzwanzig Stunden zu 104 mm.
(Ein infrarotes Satellitenbild sowie eine Karte der Regenmengen
vom 18.10.2010, 00:00 UTC, finden Sie rechts in der Rubrik
"Thema des Tages" unter [mehr].)
Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Sonntag, den 17.10.2010
Thema des Tages
Taifun Megi
Während sich das Wetter bei uns nach kurzer Verschnaufpause am
Montag in der kommenden Woche ziemlich spät-herbstlich mit
vielen Regenwolken, im höheren Bergland sogar frühwinterlich
mit Schneeflocken zeigt, spürt man im Nordwestpazifik noch die
Überreste der heißen Jahreszeit. Dort durchpflügt östlich der
Philippinen der ("Super-") Taifun MEGI mit maximalen mittleren
Windgeschwindigkeiten um 250 km/h und höchsten Böen über 300
km/h das Wasser. Wie es nach derzeitigen Vorhersagen der
Wettermodelle aussieht, wird dieses Unwetter der höchsten Stufe
(Kategorie 5 der Saffir-Simpson Skala) in der Nacht zum Montag
und am Montag (unserer Zeit) den Norden der Inseln, genauer
gesagt die größte Insel, Luzon, erreichen und im Laufe des
Montags nach Westen hin überqueren. Dabei schwächt sich der
Taifun über Land zwar vorübergehend deutlich ab, jedoch werden
immer noch Spitzenböen um 200 km/h erwartet. Das reicht leider
mal wieder verbreitet für schwere Schäden. Zudem gibt es dazu
noch Sturzregen, der durchaus Niederschlagsmengen um oder über
100 Liter pro Quadratmeter in wenigen Stunden bringen kann, was
zusätzliche Zerstörungskraft besitzt.
Nach Überquerung der Insel verlagert sich Taifun MEGI weiter
ins Südchinesische Meer, wo er erneut Kraft tanken kann und in
den Folgetagen weiter langsam in Richtung Westen zieht. Wann
und wo MEGI dann dort etwa zum Ende der Woche an Land geht, ist
noch nicht sicher vorherzusagen. Jedenfalls dürfte uns der
Taifun in den nächsten Tagen in den Medien noch weiter
beschäftigen.
Dipl.-Phys. Ansgar Engel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Samstag, den 16.10.2010
Thema des Tages
Wie entstehen Regen und Schnee?
In den letzten beiden Wochen sind wir von einer herbstlichen
Hochdruckwetterlage verwöhnt worden, sodass die meisten Leute
hierzulande bis gestern schon eine Weile keinen Regen mehr
gesehen haben. Doch Tief Roswitha beendete den goldenen
Oktober. Roswitha entstand am gestrigen Freitag über der
Nordsee am Rande eines skandinavischen Tiefdruckkomplexes. Sie
zog unter weiterer Verstärkung nach Deutschland und sorgt nun
für reichlich Regen. Auf seiner Rückseite gelangt zunehmend
kühlere Luft nach Deutschland, sodass in den Kammlagen der
Mittelgebirge aus dem Regen zum Teil Schnee wird. Doch wie
entstehen eigentlich Regen und Schnee? Diese Frage ist
keineswegs so einfach zu beantworten und soll im Folgenden
geklärt werden.
Regen oder Schnee bildet sich aus Wolken. Eine Wolke entsteht,
wenn der Wasserdampf in der Luft kondensiert. Die Luft kann nur
eine bestimmte Menge an Wasserdampf enthalten. Je niedriger die
Temperatur ist, desto weniger Wasserdampf kann die Luft
aufnehmen. Bei 10°C sind es etwa 9,4 g Wasser pro Kubikmeter
Luft. Bei 30 °C sind es schon 30,4 g pro Kubikmeter. Kühlt man
Luft ab, bis sie mit Wasserdampf gesättigt ist, so kondensiert
das überschüssige Wasser an winzigen Staubpartikeln (Aerosole)
aus und bildet kleine Tropfen. Die Temperatur, bei der dies
geschieht, wird Taupunkttemperatur genannt. Diese
Taupunkttemperatur kann erreicht werden, indem Luft in größere
Höhen angehoben wird. Denn dabei kühlt sie sich ab. Dies
geschieht zum Beispiel durch Hebung an Fronten in
Tiefdruckgebieten, so wie es auch aktuell bei Tief Roswitha der
Fall ist.
Die sich bildenden Wolkentropfen haben einen sehr kleinen
mittleren Radius von nur 0,01 mm und können somit in mittleren
Breiten nur Sprühregen erzeugen. Für die Bildung von größeren
Regentropfen benötigt man zusätzlich Eiskristalle. Erreicht
eine Wolke höhere Luftschichten, herrscht dort irgendwann eine
Temperatur unter 0 °C, sodass sich die benötigten Eiskristalle
bilden können. Somit kommt es zu einer Koexistenz von
Wolkentropfen und Eiskristallen in der Wolke. Diese Koexistenz
geht keineswegs friedlich vonstatten, denn die Eiskristalle
saugen den Wasserdampf in ihrer Umgebung an, um sich diesen
einzuverleiben. Dadurch können weitere Wolkentröpfchen
verdunsten und neue Nahrung in Form von Wasserdampf für die
Eiskristalle liefern. Diese wachsen somit auf Kosten der
Wassertropfen an. Man nennt diesen Prozess Bergeron-Findeisen-
Prozess. Sind die Eiskristalle groß genug, beginnen sie zu
fallen. Bei ihrem Fall durch die Wolke frieren weiter
Wassertröpfchen an ihnen fest, sodass mit der Zeit immer
größere Schneeflocken oder auch Graupelkörner entstehen. Jeder
größere Regentropfen beginnt sein Leben also irgendwann einmal
als Schnee, der beim Fallen die Null-Grad-Grenze erreichte und
dann geschmolzen ist.
Erste Schneeflocken konnte man heute bereits in den Gipfellagen
des Schwarzwaldes bewundern. Der 1496 m hohe Feldberg meldet
bereits eine dünne Schneedecke. Bis zum Sonntagmorgen wird die
Schneefallgrenze besonders in den westlichen Mittelgebirgen
weiter fallen, sodass oberhalb von 700 bis 1000 m Schnee fällt.
Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Freitag, den 15.10.2010
Thema des Tages
Muss der rote Fußball ausgepackt werden?
Das Wochenende ruft und damit rollt in vielen Stadien von der
Bundesliga bis herab in die Kreisklassen wieder der (Fuß-)Ball.
Dem gestrigen Thema des Tages (zu finden rechts unter Thema des
Tages auf "mehr") konnte man schon entnehmen: Am Wochenende
gibt es in vielen höheren Lagen des Landes den ersten Schnee
des Herbstes in Deutschland.
Damit lässt sich eingangs gestellte Frage für die Bundesliga
sogleich mit einem klaren Nein beantworten, der Ball wird bei
den Spielen also wie üblich aussehen. Selbst die Zuschauer des
höchstgelegenen Bundesligastadions an diesem Spieltag, der
Allianz-Arena in München (auf etwa 500 m Höhe, Hannover 96 ist
am Samstag zu Gast) werden Schneeflocken wohl nicht zu Gesicht
bekommen, dafür dürfte es hier aber einiges an Regentropfen vom
Himmel geben und das bei deutlich unterkühlten 6 Grad. Auch die
Besucher der Spiele Köln gegen Dortmund am Freitag, Schalke
gegen Stuttgart und Mainz gegen Hamburg (beide am Samstag)
müssen sich auf eher nasses Wetter und Temperaturen zwischen 5
und 10 Grad einstellen. Etwas besser ergeht es den
Schlachtenbummlern bei den Spielen Bremen gegen Freiburg, St.
Pauli gegen Nürnberg und Wolfsburg gegen Leverkusen (alle am
Samstag) sowie bei den Partien der Kaiserslauterer gegen die
Frankfurter und der Hoffenheimer gegen die Gladbacher (beide am
Sonntag). Diese Spiele finden alle weitgehend trocken, aber
auch nur bei kühlen 5 bis 10 Grad statt.
Stellt sich nun weiterhin die Frage, wo denn ein roter Ball
gebraucht werden könnte? Ein Blick auf die zu erwartenden
Schneefallgrenzen am Wochenende zeigt: Erst bei Spielorten, die
oberhalb 600 bis 800 m liegen, kann es am Wochenende
Schneefälle geben und sich (zum Teil wenigstens) eine
Schneedecke bilden. Besonderes "Gefährdungspotential" für eine
Schneedecke besteht dabei vor allem am Sonntagmorgen in den
Hochlagen des Erzgebirges und der Alpen sowie der höher
gelegenen Mittelgebirge in der Mitte und im Süden Deutschlands.
Hoch gelegene Städte dieser Regionen, deren heimische
Fußballvereine am Wochenende ein Spiel austragen wollen,
sollten daher für den Fall der Fälle zumindest einen roten Ball
in Reserve haben.
Somit beschränkt sich der erste "Wintereinbruch" des Herbstes
wie so häufig auf die Mittelgebirge und die Alpen. Ein
deutschlandweiter Wintereinbruch ist den Karten zufolge für die
nächsten Tage nicht zu erwarten, eine Rückkehr zu sonnigem und
recht warmem Wetter aber auch nicht. Es geht eher kühl und
abwechslungsreich weiter mit Regen und Schauern, dazwischen ab
und zu auch etwas Sonnenschein. Die Temperaturen pendeln sich
auf ein Niveau von 5 bis 10 Grad ein, womit der Ball
(namentlich: Torfabrik) auch am nächsten Bundesligaspieltag (am
Wochenende vom 22. bis zum 24. Oktober) in den Stadien
weiterhin weiß bis grau (mit ein paar Tupfern Rot) aussehen
wird.
Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Donnerstag, den 14.10.2010
Thema des Tages
Der goldene Oktober verabschiedet sich
Als sei es die Entschädigung für einen total verregneten August
und einen zu kühlen und vielerorts auch zu nassen September,
stellte sich das Wetter pünktlich zum Oktoberbeginn auf eine
goldene Oktoberwetterlage um. Vorderseitig eines Tiefs über dem
Atlantik baute sich ein kräftiges Hochdruckgebiet über
Osteuropa und Skandinavien auf. Dieses Hoch blockierte die West-
Ost-Zugbahn der atlantischen Tiefdruckgebiete, sodass diese uns
nicht erreichen konnten. Zudem setzte mit einer südlichen
Strömung die Zufuhr milder Luftmassen ein, die nochmals örtlich
für sommerliche Temperaturen sorgten.
Diese Wetterlage ist für Anfang Oktober jedoch nicht
ungewöhnlich. Schaut man in die Archive, so erkennt man eine
deutliche Häufung von trockenen und milden Herbsttagen, die von
Anfang bis Mitte Oktober auftreten. Der goldene Oktober ist
somit einer der markantesten wiederkehrenden
Witterungsabschnitte (Wettersingularitäten).
Doch nicht überall war das Wetter immer so golden. In den jetzt
schon langen Nächten kühlte der Boden stark aus. Dadurch kam es
in den letzten Tagen erstmals wieder verbreitet zu Bodenfrost.
Die kältesten Orte letzte Nacht waren Deutschneudorf-
Brüderwiese im Erzgebirge mit -5,0 °C und Stiege im Harz mit
-4,4 °C. Durch die nächtliche Auskühlung kam es zunehmend zur
Bildung größerer Nebel- und Hochnebelfelder. Da die Sonne
tagsüber schon recht tief steht, hat sie nicht mehr die "Kraft"
die Nebelfelder vollständig aufzulösen, sodass sich diese
besonders in den letzten Tagen oft recht zäh hielten. Zum
Beispiel erinnerte das Wetter am Dienstag den 12.10. in
Chemnitz bei Hochnebel und einer Höchsttemperatur von 4°C eher
an November als an einen goldenen Oktober. Währenddessen schien
auf dem nicht sehr weit entfernten 1214 m hohen Fichtelberg im
Erzgebirge bei relativ milden 11 °C die Sonne.
Auch wenn man im Großteil Deutschlands bisher noch nichts davon
gemerkt hat, die Umstellung der Wetterlage ist bereits in
vollem Gange. Der Hochdruckschwerpunkt hat sich bereits am
vergangenen Wochenende zum Nordatlantik verlagert, während sich
ein stärkerer Tiefdruckkomplex mit Zentrum über Westrussland
gebildet hat, wodurch bereits in den letzten Tagen der Zustrom
kühlerer Luftmassen eingeleitet wurde. Noch überwiegt jedoch
der Hochdruckeinfluss. Dies ändert sich mit einem Randtief, das
sich über der Nordsee bildet und vom osteuropäischen
Tiefdruckkomplex nach Deutschland gelenkt wird. Das
zurückweichende Hoch ebnet dem Randtief dabei den Weg. Somit
findet das goldene Oktoberwetter mit all seinen Facetten am
Wochenende sein endgültiges Ende. Denn rückseitig des Tiefs
fließt dann am Wochenende kühle Meeresluft polaren Ursprungs
nach Deutschland ein, in der es verbreitet zu Regen und
zahlreichen Schauern kommt. In den Kammlagen der Mittelgebirge
fällt am Sonntag sogar Schnee. Die weiteren Aussichten sehen
ebenfalls wechselhaft und kühl aus. Somit bleibt einem nur noch
übrig den letzten goldenen Oktobertag zu genießen, falls man
nicht gerade unter der Hochnebeldecke sitzt.
Dipl.-Met. Christian Herold
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Vorhersage- und Beratungszentrale
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Mittwoch, den 13.10.2010
Thema des Tages
Dunst und Nebel
Noch bestimmt Hochdruckeinfluss unser Wetter und der
aufmerksame Zeitgenosse liest oder hört wieder "teils neblig-
trüb, teils sonnig" o.ä. Floskeln in den Wettervorhersagen. Bei
Temperaturmaxima zwischen etwa 10 und 15 °C wird es tagsüber
noch warm genug, um die Luft mit genügend Wasserdampf
anzureichern. Andererseits kühlt es sich in den nun schon
langen Nächten derart ab, dass in den Luftschichten an oder
nahe der Erdoberfläche oftmals der Taupunkt erreicht wird und
der in der Luft enthaltene Wasserdampf kondensiert. Es
entstehen sog. feuchter Dunst oder Nebel, wobei die
entstehenden Dunst- oder Nebeltropfen eine
Sichtverschlechterung bewirken.
Praktischerweise unterscheidet man Dunst und Nebel anhand der
horizontalen Sichtweite in Augenhöhe. Beträgt sie weniger als
einen Kilometer, spricht man von Nebel, andernfalls von Dunst.
Bei der Entstehung von Dunst erfolgt Kondensation auch ohne
Wasserdampfsättigung, die entstehenden Tropfen haben Radien
zwischen 0.1 und 1 µm. Bei relativer Luftfeuchte von 100 %
bildet sich Nebel. Dessen Tropfengröße hängt von der Menge des
vorhandenen Wasserdampfes und der Anzahl der Kondensationskerne
ab. Man findet ein ganzes Tropfenspektrum - leichter Nebel
weist Radien von 1 bis 5 µm auf, dichter Nebel hat
Tropfenradien von 10 bis 20 µm. Die größten Nebeltropfen in
dichtem, nässendem Nebel können mit 50 µm die Größe von
Tautropfen erreichen. Wegen der Größe der Nebeltropfen ist die
Streuung des Lichtes von seiner Wellenlänge unabhängig - Nebel
erscheint also weiß.
Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Dienstag, den 12.10.2010
Thema des Tages
Ab in die Sonne (und in den Biergarten)!
In Mitteleuropa verwöhnt uns Hoch Marcel ja schon seit einiger
Zeit mit traumhaftem Herbstwetter und reichlich Sonnenschein,
sofern man nicht das Pech hat, den Tag in dichtem Nebel oder
unter einer grauen Hochnebeldecke zu leben. Am gestrigen Montag
kamen vor allem in der Mitte und im Süden Deutschlands fast
überall mehr als 10 Sonnenstunden zusammen, die Temperaturen
kletterten dabei stellenweise auch noch mal über die 20 Grad
Marke. Spitzenreiter waren Bendorf nahe Koblenz mit
Höchstwerten von 20,8 Grad und Freibug im Breisgau mit 20,3
Grad. Die Berliner und Brandenburger konnten sich dagegen nicht
wirklich über das Herbstwetter freuen, hier hielt sich den
ganzen Tag eine graue Hochnebelsuppe und nicht mal eine Stunde
Sonnenschein wurden registriert. Auch die Temperaturen kamen
mangels Sonne verbreitet nicht über 10 Grad hinaus. Die
Vorhersage von Nebel und Hochnebel bzw. deren Auflösung stellt
auch die Meteorologen immer wieder vor eine große
Herausforderung. Wie schmal die Grenze zwischen blauem Himmel
und dichtem Hochnebel gestern war, lässt sich im Südwesten
Brandenburgs erkennen. In Wusterwitz nahe der Stadt Brandenburg
kamen nur 0,5 Stunden, in Wiesenburg im Fläming - rund 20
Kilometer weiter im Süden, dagegen 9,5 Stunden Sonnenschein
zusammen.
Derzeit verlagert sich das wetterbestimmende Hoch über die
Britischen Inseln, bevor sich in der zweiten Wochenhälfte ein
Tief über Nordosteuropa bemerkbar macht. Dabei werden vermehrt
dichtere Wolken nach Deutschland gelenkt.
Auf jeden Fall lohnt es sich, noch schnell einen Besuch im
Biergarten einzulegen und sich es in der Sonne bei einem
zünftigen Bier so richtig gemütlich zu machen. Falls man nicht
grade arbeiten muss, sollte man sich auf jeden Fall schon am
Nachmittag aufmachen, denn ohne Sonnenschein wird es vor allem
in den Abendstunden schon recht frisch.
Schwierig wird da nur die Wahl der Kleidung - in der Sonne
kommt man schnell ins Schwitzen, im Schatten bekommt man
dagegen bei längerem Sitzen schnell eine Gänsehaut. Am besten
eignet sich dabei das Prinzip "Zwiebelschale", also mehrere
Schichten Kleidung übereinander, die bei Bedarf schnell
entfernt werden können. In der Sonne wird es richtig warm, die
gefühlten Temperaturen liegen da auf jeden Fall im sommerlichen
Bereich, auch wenn das Thermometer im Schatten neben dran nicht
über die 15 Grad Marke hinauskommt.
Richtig zur Sache geht es derweil rund um das Mittelmeer. Ein
umfangreiches Tief mit Kern über dem westlichen Mittelmeer
sorgte gestern vor allem in Süditalien für unwetterartige
Gewitter. Die höchsten Regenmengen wurden in Apulien, am
südöstlichen Ende des Stiefels gemessen. Hier kamen in Lecce 63
Liter, in Brindisi immerhin noch 55 Liter in 12 Stunden
herunter. Auf den Balearen ist es mit Schauern und Gewitter
ebenfalls recht wechselhaft, auch wenn die Regenmengen nicht
ganz so hohe Werte erreichten. Auf Menorca fielen in den
vergangenen 24 Stunden 34 Liter, in Palma de Mallorca 24 Liter
in den Regentopf. Auch auf Korsika und Sardinien gab es in der
Nacht zu Montag und am Montag heftige Regenfälle.
Dipl.-Met. Robert Scholz
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Montag, den 11.10.2010
Thema des Tages
Die Farben des Himmels
Das für uns sichtbare Licht umfasst den Wellenlängenbereich
zwischen 350 nm (violett) und 750 nm (rot). Da Licht
unterschiedlicher Wellenlänge verschieden gebrochen wird -
kurze Wellenlängen stärker als lange (chromatische Aberration)
- kann man Licht in seine Spektralfarben, von violett über
blau, grün, gelb, orange bis hin zu rot, zerlegen.
Diese sogenannte optische Dispersion erfolgt in der Atmosphäre,
indem das von der Sonne ausgehende "weiße" Licht an
Luftpartikeln gestreut, d.h. teils reflektiert und teils
gebrochen wird.
Bei längerem Weg durch die Atmosphäre, also bei tief stehender
Sonne (morgens und abends) wird das blaue Licht durch die
Stärke der Streuung weitgehend eliminiert, rote und gelbe
Lichtanteile dominieren. So entsteht das Morgen- bzw. Abendrot.
Anders ist dies bei kürzerem Lichtweg durch die Atmosphäre (um
die Mittagszeit).
Beim Tagesblau sind alle Farben des Lichts vorhanden, jedoch
erscheint der Himmel blau, da diese Farbe am stärksten gestreut
wird und so die gelben, grünen und roten Anteile überstrahlt.
Doch Morgenrot ist nicht gleich Abendrot und "rot ist nicht
gleich rot":
Da das Wetter, bedingt durch unsere Lage in den gemäßigten
Breiten, meist aus dem Westen kommt, kann die Farbe des
westlichen Himmels am Abend ein Vorbote für unser Wetter am
nächsten Tag sein.
Aufgrund dieser Beobachtung entstand die Bauernregel "Abendrot,
gut Wetterbot", die der Seemannsregel "Abendrot macht Seemann
tot" eigentlich widerspricht. Doch wie kommt es zu solch
unterschiedlichen Aussagen über die Abendröte?
Wenn der Himmel nur leicht rötlich gefärbt ist, deutet es auf
trockene Luft hin und somit ist die Wahrscheinlichkeit für
Niederschlag am nächsten Tag gering. Dagegen bedeutet ein
dunkles Rot hohe Luftfeuchtigkeit, welche Wolkenbildung und
Annäherung eines Niederschlaggebietes anzeigt. Somit treffen
beide Aussagen, je nach Nuance der Himmelsröte, zu.
Die Bauernregel "Morgenrot, schlecht Wetter droht" entstand,
weil die Rotfärbung auch in diesem Falle ein Hinweis für hohe
Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre ist und somit die
Niederschlagswahrscheinlichkeit steigt. Der Rotton entsteht, da
der blaue Anteil der Sonnenstrahlen durch den langen Lichtweg
herausgefiltert und der verbleibende rote von den Wolken
reflektiert wird.
Für das Farbenspiel des Himmels ist also die Tatsache
verantwortlich, dass der blaue Anteil des Sonnenlichts weitaus
stärker als der rote gestreut wird. Dies wird in der
sogenannten Rayleigh-Theorie beschrieben, die davon ausgeht,
dass die Wellenlänge der Strahlung im Vergleich zum Durchmesser
des streuenden Teilchens groß ist. Sie gilt also für
Luftmoleküle (Stickstoff, Sauerstoff, …)
Im Gegensatz dazu gilt die Mie-Theorie für Teilchen, deren
Dimension etwa der Wellenlänge des Lichtes entspricht. Dies ist
z.B. beim Regenbogen der Fall, denn Wolken- und
Niederschlagsteilchen sind weitaus größer als Luftmoleküle.
Um einen Regenbogen zu erblicken, muss der Beobachter die Sonne
im Rücken haben und auf den Regen schauen. Hierbei wird das
Licht an den fast kugelförmigen Tropfen der sonnenbeschienenen
Regenwand oder -wolke gebrochen und reflektiert, sodass es in
seine Spektralfarben zerlegt einen wunderschönen Anblick bietet.
Vanessa Wehner, Katja Werle
z. Zt. Deutscher Wetterdienst
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Sonntag, den 10.10.2010
Thema des Tages
Helgoland
Am 1. September fand sich im Thema des Tages wie üblich die
Statistik der wärmsten und kältesten Orte Deutschlands.
Während die kältesten Orte Deutschlands nicht überraschend im
Erzgebirge lagen, hat mancher sich sicher über den wärmsten Ort
gewundert.
Helgoland war der Septembersieger mit einer Mitteltemperatur
von 14,7°C und einer Abweichung von -0,2 °C vom langjährigen
Mittel. Selbst die Orte im sonst wärmeren Baden-Württemberg
wurden auf die Plätze verwiesen.
Die "Goldmedaille" Helgolands hat zwei Gründe:
Zum einen waren die negativen Abweichungen der Mittelwerte in
den südwestdeutschen Orten mit 1°C größer als die von Helgoland
und die Temperaturen dort erst dadurch kälter. Zum anderen ist
der August der wärmste Monat in Helgoland, während dies
üblicherweise der Juli ist. Der September ist somit auf
Helgoland der erste Monat, an dem die Temperaturen wieder
sinken, während an den anderen Stationen der September bereits
der zweite Monat mit zurückgehenden Temperaturen ist.
Manchmal, z.B. in 1999 mit 18,2°C Mitteltemperatur, ist der
September auf Helgoland sogar der wärmste Monat des Jahres, auf
den Landstationen ein nahezu unmögliches Ereignis.
Die Erklärung für die Verschiebung des wärmsten Monats,
vereinzelt bis in den meteorologischen Herbst hinein, ist
relativ einfach.
Helgoland ist die einzige deutsche Hochseeinsel. Während auf
den anderen deutschen Inseln je nach Windrichtung und Tide
teilweise festländische Temperaturbedingungen herrschen, wird
die Temperatur auf Helgoland im größten Teil des Jahres von der
Wassertemperatur bestimmt.
Das Wasser ändert seine Temperatur wesentlich langsamer als die
feste Erdoberfläche. Dadurch verschiebt sich der
Temperaturverlauf des Meereswassers etwa zwei Monate gegenüber
dem Sonnenstand nach hinten, das Festland kennt eine solche
Verschiebung kaum.
Das Meerwasser bei Helgoland ist daher normalerweise im August
am wärmsten, wobei die "jährliche Warmzeit" üblicherweise von
Mitte Juli bis Mitte September reicht.
Wenn also, wie dieses Jahr, sich die Sonne und die warmen
Temperaturen auf dem Festland rar machen, wird Helgoland vom
Meer geheizt und kann damit, was nicht außergewöhnlich ist, im
September zum wärmsten Ort Deutschlands werden.
Auch in den meisten anderen Monaten des Jahres spielt Helgoland
eine Sonderrolle.
Von Oktober bis Januar gehört Helgoland, zusammen mit einigen
Stationen im Rheinland, zu den wärmsten Orten Deutschlands. Im
November (7,6°C) und Dezember (4,4°C) ist Helgoland sogar im
Mittel der wärmste Ort Deutschlands.
Ab Februar allerdings zeigt sich die Kehrseite der Medaille.
Während es überall mit den Temperaturen steil bergauf geht,
erreicht das Meer und damit auch die Temperatur in Helgoland
(2,1°C) seinen tiefsten Jahreswert der Temperaturen. Im März,
der im Deutschlandmittel etwa genau so warm ist wie der
November, ist es auf Helgoland 4°C kühler als im November.
Der Rückstand zu den Festlandsstationen wird im Mai und Juni so
groß, dass Helgoland der kälteste Ort Deutschlands ist, wenn
man von Bergstationen absieht.
Das maritime Klima Helgolands zieht noch eine Reihe anderer
interessanter meteorologischer Folgen hinter sich her, die sich
immer wieder in den Themen des Tages wiederfinden.
Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Samstag, den 9.10.2010
Thema des Tages
Bitte weiträumig umfahren
Diesen Satz hat jeder Autofahrer wohl schon einmal im
Verkehrsfunk gehört. Gibt es auf den großen Überlandstraßen
Sperrungen oder große Behinderungen, müssen die Reisenden
Umwege in Kauf nehmen. Genau so ergeht es auch den atlantischen
Tiefs, wenn es auf ihrer üblichen Rennbahn über den
europäischen Kontinent hinweg ein großes Hindernis gibt. Ein
Hindernis, das ist in der Regel ein blockierendes
Hochdruckgebiet. Und so ein Gebilde bestimmt derzeit auch das
Wetter bei uns. Dabei verlagert sich der Schwerpunkt des hohen
Luftdrucks in den kommenden Tagen vom Baltikum in Richtung
Nordsee und Nordmeer. Die sich auf der südlichen Seite des
Hochs einstellende östliche Strömung hält jeden Einfluss des
Atlantiks von uns fern und führt zunächst trockene, aber
zunehmend kühlere Luft nach Deutschland. Im weiteren Verlauf
kommt dann von Norden her feuchte, trübe Nordseeluft
hereingesickert, so dass das (abgesehen von den üblichen
nebelanfälligen Gebieten) in vielen Landesteilen goldene
Oktoberwetter im Laufe der kommenden Woche doch immer mehr
durch eine Hochnebeldecke ersetzt wird.
'Richtiges' Wetter gibt es dagegen auf den Umleitungsstrecken
für die atlantischen Tiefs, und die südliche Umleitung um den
Hochdruckkomplex führt in den nächsten Tagen über das
Mittelmeer. So findet man am Sonntag im westlichen
Mittelmeerraum bis 'runter' an die afrikanische Mittelmeerküste
teils kräftige Schauer und Gewitter mit örtlich erheblichen
Regenmengen. Am Montag erreichen die heftigen Niederschläge
dann auch Italien und die Adria, zum Abend die Dalmatinische
Küste und Griechenland. Am Dienstag sind dann auch die Ägäis
und die Westtürkei an der Reihe. Während dessen schieben sich
schon wieder neue Regen- und Gewitterwolken mit teils
ergiebigen Niederschlägen von der Iberischen Halbinsel her in
Richtung westliches Mittelmeer. Reichlich Verkehr also in der
Gegend. Die Natur freut sich (wenn es nicht gerade
unwetterartig zur Sache geht), die Touristen hätten sich wohl
Anderes gewünscht. Eine Freigabe der Tiefdruck-Rennstrecke über
Mitteleuropa steht jedenfalls in absehbarer Zeit, also bis weit
in die kommende Woche hinein, nicht auf dem Programm.
Dipl.-Phys. Ansgar Engel
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Freitag, den 8.10.2010
Thema des Tages
Wieso der "Goldene Oktober" manchmal gar nicht so goldig ist
Für den gestrigen Donnerstag war er für viele Regionen
angekündigt: der Sonnenschein, der zum "Goldenen Oktober"
gehört. Und dann spielte uns das Wetter einen Streich! Nebel
bzw.
Hochnebel hielten sich viel länger, als uns die Computermodelle
berechneten.
Schuld waren zunächst unterschiedliche Luftmassen. Während im
Osten bereits am Mittwoch trockenere Luft aus Osten
eingeflossen war (die Luftfeuchte lag z.T. unter 80%), war im
Westen deutlich feuchtere Mittelmeerluft eingesickert (um 90%).
So war es nur verständlich, dass sich besonders in diesen
Gebieten in der Nacht zum Donnerstag Nebel bildete, nachdem
sich am Abend zuvor die letzten Wolken aufgelöst hatten.
Der Nebel wandelte sich nun im Laufe des Donnerstags zu
Hochnebel und dachte entgegen der Prognosen gar nicht daran, zu
verschwinden.
Zur Erläuterung: Für die Nebelauflösung kommen 2 Faktoren in
Betracht: Wind und Sonneneinstrahlung. Bei der Berechnung
dieser Elemente können bereits geringfügige Abweichungen große
Auswirkungen haben. Diese machen sich dann besonders in den
kühleren Jahreszeiten bemerkbar, in denen die Sonne allein
nicht mehr die Kraft hat, Nebel aufzulösen. Stattdessen bilden
sich allerdings gern Inversionen aus, in denen es auf den
(sonnigen) Bergeshöhen wärmer ist als in den (nebligen)
Tallagen. So war es am Donnerstag im sonnigen Mittenwald 21
Grad warm, während es im nur 25 km entfernten Bad Kohlgrub 8
Grad kälter war.
Ein Satellitenbild veranschaulicht die Situation am Donnerstag
Mittag (dazu unter "Thema des Tages" auf "mehr" klicken). Die
grauen Flächen stellen die vom deutschen Rechenmodell COSMO EU
berechneten Wolken dar, während die gelb eingefärbten Flächen
den Nebel/Hochnebel zeigen.
Für die Bewertung der Luftmassen ist es jedoch auch wichtig,
sich den vertikalen Aufbau anzusehen, daher ist der Abbildung
ein Radiosondenaufstieg von Frankfurt/Main angefügt (grüne
Linie). Dazu gesetzt wurde der vom Modell berechnete
Temperaturverlauf (schwarze Linie). Die Inversion wurde vom
Modell deutlich schwächer prognostiziert, als sie sich in der
Realität darstellte.
Übrigens haben die meisten Rechenmodelle Probleme, derartige
Inversionen richtig vorherzusagen. Daher wird es immer wieder
zu Fehleinschätzungen bei Nebellagen kommen.
Die Natur lässt sich halt nicht komplett in die Karten schauen.
Dipl.-Met. Dorothea Paetzold
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Donnerstag, den 7.10.2010
Thema des Tages
"Goldener Oktober" geht weiter, aber...
Das Hoch MARCEL über Russland beschert den meisten Deutschen
schon seit Tagen den viel beschworenen und vielfach auch
gewünschten "Goldenen Oktober" (siehe dazu die Themen des Tages
im Archiv, rechts unter "mehr" klicken). Dabei liegen die
höchsten Temperaturen am heutigen Donnerstag nach Auflösung
einiger Nebelbänke mit 16 bis 23 Grad in einem für die meisten
Leser sehr angenehmen Bereich. Nur im Norden und Westen stören
noch einige dichtere Wolken mit etwas Regen hier und dort.
Das Hoch MARCEL über Russland beschert den meisten Deutschen
schon seit Tagen den viel beschworenen und vielfach auch
gewünschten "Goldenen Oktober" (siehe dazu die Themen des Tages
im Archiv, rechts unter "mehr" klicken). Dabei liegen die
höchsten Temperaturen am heutigen Donnerstag nach Auflösung
einiger Nebelbänke mit 16 bis 23 Grad in einem für die meisten
Leser sehr angenehmen Bereich. Nur im Norden und Westen stören
noch einige dichtere Wolken mit etwas Regen hier und dort.
Hoch MARCEL schickt sich an, uns auch die nächsten Tage mit
viel Sonnenschein zu versorgen, dabei wird es auch im Norden
und Westen zusehends wolkenärmer. Wie die Titelzeile verrät,
gibt es jedoch auch einige "ABER'S". Da wäre zum einen der
morgendliche Nebel oder Hochnebel, der sich zum Teil nur
zögerlich auflöst. Das größere "Aber" dürften jedoch die zu
erwartenden Temperaturen sein. Die gehen ab Freitag sukzessive
Tag für Tag zurück.
"Schuld" daran ist Hoch MARCEL, das sich von Russland auf dem
Weg nach Westen macht und sich über Skandinavien und der
Nordsee festsetzen will. Damit ist zwar weiterhin der "Goldene
Oktober" mit häufigem Sonnenschein garantiert, die Strömung
dreht jedoch von derzeit Süd bis Südost auf Ost bis Nordost.
Die Luftmassen, die damit zu uns gelangen, kommen also nicht
mehr aus wie aktuell aus dem Mittelmeer oder Südosteuropa,
sondern aus Russland oder Skandinavien und sind weitaus kühler.
Zur weiteren Veranschaulichung gibt es beim "Thema des Tages"
rechts, dort auf "mehr" klicken, eine Grafik.
Die Tageshöchstwerte gehen den Computerberechnungen zufolge ab
Samstag auf ein Niveau etwa zwischen 15 und 20 Grad zurück,
Anfang nächster Woche auf nur noch 10 bis 15 Grad. Nachts wird
es auch immer kälter, Bodenfrost dürfte ab Samstagmorgen (im
äußersten Osten Deutschlands) eine Rolle spielen, ab der Nacht
zum Sonntag und den darauf folgenden Nächten in vielen Regionen
Deutschlands. Einige Modellrechnungen haben für die östlichen
und südöstlichen Landesteile sogar vereinzelten Luftfrost in
petto, ein verbreitetes Auftreten ist aber zunächst nicht
wahrscheinlich.
Und noch ein weiteres kleines "Aber" ist auszumachen. Der Wind
frischt etwas auf und weht vor allem tagsüber leicht böig.
Damit fühlen sich die Temperaturen noch kühler an, als sie
ohnehin schon sind. Aber vielleicht gleicht das ja der
Sonnenschein aus...
Dipl.-Met. Simon Trippler
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Mittwoch, den 6.10.2010
Thema des Tages
Von Bergen und Tälern...
... stellt an dieser Stelle nicht etwa den Refrain eines
deutschen Volksliedes dar, auch soll es nicht die Aufforderung
zu einem gepflegten Herbstausflug sein (obwohl sich das dieser
Tage durchaus lohnen würde, doch dazu später mehr). Überhaupt
sollen im Folgenden nicht die Erscheinungen irdischer Gebirge
beschrieben werden, sondern eher auf (virtuelle) Berge und
Täler in der Atmosphäre eingegangen werden, die für unser
Wettergeschehen eine tragende Rolle spielen.
Dazu starten wir mit einem kleinen Exkurs in die Grundlagen der
Meteorologie, genauer gesagt in die Strömungsmechanismen der
Atmosphäre. Dass es Richtung Pol im Mittel eher kalt, Richtung
Äquator dagegen eher warm ist, stellt eine
Selbstverständlichkeit dar. Dieser einfache Sachverhalt des
thermischen Unterschieds hat aber weitreichende Konsequenzen
auf die Statik der verschiedenen Luftmasse in Nord und Süd. Im
Klartext, der Luftdruck nimmt in den polaren Gebieten sehr viel
schneller mit zunehmender Höhe ab als das in südlichen Gefilden
der Fall ist. Die Folge ist ein signifikanter Druckunterschied
in höheren Luftschichten, der einem einfachen Naturgesetz
folgend ausgeglichen werden will. Das passiert in Form von
Luftströmungen ergo Wind, der eigentlich vom hohen zum tiefen
Luftdruck weht, wenn da nicht die rotierende Erde wäre. Das
Phänomen der Erddrehung sorgt nämlich dafür, dass die Winde
(wenn man mal von ganz kleinräumigen Windsystemen absieht) auf
der Nordhalbkugel nach rechts abgelenkt werden, was gemeinhin
als Corioliseffekt bezeichnet wird. Um die Sache etwas
abzukürzen und auf die mittleren Breiten zu fokussieren, es
ergibt sich eine Zone mit westlichen Winden (sogenannte
Westwindzone oder Westdrift), die mit der Höhe zunehmen und
stark unser Wettergeschehen beeinflussen. Dabei spielen auch
die für die Luftfahrt so wichtigen Jetstreams (Starkwindbänder)
eine gewichtige Rolle, was an dieser Stelle aber nicht vertieft
werden soll.
Wenn die Höhenströmung - und um die geht es jetzt im
Wesentlichen - nun relativ glatt von West nach Ost verläuft,
spricht man von einer Zonalströmung, in der sich der
Wetterablauf sehr wechselhaft gestaltet. Wird diese glatte
Strömung aber gestört (Ursachen dafür sind vielfältig, sollen
hier aber nicht thematisiert werden), beginnt sie zu schwingen
oder besser zu mäandrieren. Es entsteht ein Wellenmuster, in
dem sich - und damit wären wir beim Thema - Wellenberge und -
täler mehr oder weniger ausprägen. Die Täler bezeichnet man in
der Meteorologie als Tröge, die Berge als Rücken oder Keile. Im
Bodenniveau sind Tröge überwiegend mit Tiefdruckgebieten und
Rücken mit Hochs gekoppelt. Je nach dem wie der Abstand der
"Berge und Täler" ist (fachlich korrekter wäre der Begriff
Wellenlänge), kann eine solche Großwetterlage sehr stabil sein
(d.h. die Systeme verlagern sich nicht oder nur wenig), man
spricht dann häufig von einer Blockierungslage.
Projiziert man nun die Theorie auf die Praxis, in diesem Fall
also auf die aktuelle Großwetterlage, so lässt sich eine stark
mäandrierende Höhenströmung konstatieren. Dabei stehen einem
veritablen Höhenrücken, der vom westlichen Mittelmeer via
Mittel- bis nach Nordosteuropa reicht, zwei flankierende Tröge
gegenüber. Der eine liegt über großen Teilen des Nord- und
Ostatlantiks, der andere überdeckt die Ukraine und das Schwarze
Meer nebst angrenzenden Regionen. Korrespondierend dazu findet
man am Donnerstag auf der Bodenwetterkarte ein "fettes" Tief
namens PAULA noch weit westlich von Irland und den
entsprechenden Konterpart in Form eines substanziellen Hochs
mit Namen MARCEL über Nordwestrussland. Deutschland liegt genau
im Übergangsbereich, wobei der Einfluss von MARCEL leicht
überwiegt. Das wird sich zum Wochenende hin ändern, wenn
nämlich - nein, nein, keine Angst, kein Tiefausläufer - sowohl
das Bodenhoch als auch der Höhenrücken langsam nach Westen
wandern und somit ihren Einfluss auf unser Wetter noch
verstärken. Die Folge ist verbreiteter Sonnenschein,
wahrscheinlich nur wenige Nebelfelder, dazu ein vor allem
tagsüber böig auflebender Ostwind. Die Temperatur geht
gegenüber den jetzigen Werten zurück (Tmax unter 20°C, im Osten
und Norden teils unter 15°C), gerade nachts wird es ziemlich
frisch mit der Gefahr von Bodenfrost.
Übrigens, und das sei abschließend noch bemerkt, nennt man die
beschriebene Ost-West-Verlagerung der Systeme eine retrograde
Entwicklung. Sie ist deutlich seltener zu beobachten als die
typische Verlagerung von West nach Ost, die gemeinhin als
progressiv bezeichnet wird.
Dipl.-Met. Jens Hoffmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Dienstag, den 5.10.2010
Thema des Tages
Der Oktober
Nach altrömischer Zählung war er der achte Monat im Jahr,
welches zu damaliger Zeit mit dem März begann. Altdeutsche
Namen für den Oktober sind "Winmanot" (= Weinmonat) oder
"Gilbhart", also der Monat des vergilbenden (harten) Laubes.
Die Erntezeit endet im Oktober und am jeweils ersten
Oktobersonntag begeht die katholische Kirche das Erntedankfest
mit der Segnung der Erträge. In vielen evangelischen Gemeinden
hingegen bürgerte sich der Michaelistag (29.IX.) oder ein dem
Michaelistag benachbarter Sonntag als Termin für die
Erntedankfeier ein. Mit dem Erntedank soll an die Arbeit in
Landwirtschaft und Gärten erinnert werden und auch daran, dass
es nicht allein in der Hand des Menschen liegt, über
ausreichend Nahrung zu verfügen.
Im klimatologischen Mittel ist der Oktober einer der Monate mit
häufigen ruhigen und andauernden Hochdruckwetterlagen und wenn
milde Luftmassen vorherrschen, sorgen die Oktobersonne und die
beginnende Laubfärbung für einen warmen, goldgelben
Farbenzauber. Im Oktober verringert sich die Tageslänge in 50°
nördlicher Breite, das entspricht etwa einer Linie Trier-
Frankfurt-Prag, von 11 h 43 min am Monatsbeginn auf 9 h 54 min
am Monatsende. Die Mittagshöhe der Sonne sinkt von ca. 37° auf
knapp 26° und die Strahlungsbilanz ist schon deutlich negativ.
So kann sich gerade während der herbstlichen Hochdrucklagen die
Luft des Nachts oftmals bis unter den Taupunkt abkühlen, es
beginnt die Zeit dichten Nebels. Der Oktober ist Spitzenreiter
in der Statistik, jeden dritten Tag herrscht in Deutschland
Nebel mit Sichtweiten unter 1000 m.
Andererseits akkumulieren sich in den Polargebieten schon kalte
Luftmassen, deren Ausbrüche nach Süden bereits im Oktober die
Zeit der Herbststürme einleiten können.
In diesen Tagen zeigt sich der Oktober größtenteils von seiner
angenehmen Seite, denn zwischen einem Hoch über Russland und
einem umfangreichen Tiefdrucksystem über dem Atlantik und
Westeuropa wird mit südlicher Strömung mediterrane Luft über
die Alpen nach Norden geführt. So kann man das Farbenspiel des
Herbstes noch vielerorts bei Temperaturmaxima um 20 °C in
Straßencafés oder Biergärten genießen.
Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Montag, 4.10.2010
Thema des Tages
Nun haben wir ihn also - den Goldenen Oktober.
Regional jedenfalls! Im norddeutschen Tiefland hatte es am
Sonntag noch ein wenig geregnet. Da hatte es die Sonne schwer,
die Temperaturen hochzubekommen. Aber im übrigen Deutschland
zeigte sich vielerorts die Sonne bis zu 10 Stunden. So konnten
die Temperaturen zumindest in der Westhälfte Deutschlands auf
über 20 Grad klettern. Am Rhein wurde es sogar noch einmal ein
Sommertag mit Werten über 25 Grad.
Und nun gibt es das bereits gestern im Thema des Tages
beschriebene Gerangel. Tief MAREILE hat von Tief NATALIE
Unterstützung bekommen. Dieses Tief hatte sich an der Kaltfront
von MAREILE gebildet. Die ursprüngliche Welle hatte sich über
Frankreich zu einem eigenständigen Tief gemausert, das sich am
Dienstag nun nach Süddeutschland vorschiebt.
Gleichzeitig hält das Hoch MARCEL mit Schwerpunkt über Russland
dagegen. Dieses Hoch verstärkt sich und wandert allmählich nach
Skandinavien. Es beeinflusst daher in der gesamten Woche
vornehmlich den Nordosten unseres Landes. Der damit verbundene
Ost- Südostwind schiebt trockene Kontinentalluft in diese
Gebiete vor.
Im Westen hingegen können von Frankreich und der Nordsee
anrückende Fronten zumindest zeitweilig den ruhigen
Witterungscharakter unterbrechen.
Dipl.-Met. Dorothea Paetzold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Sonntag, den 3.10.2010
Thema des Tages
Kampf der Systeme bringt 'goldenen Oktober'
Zwei umfangreiche Druckgebilde bestimmen auf momentan noch
unabsehbar lange Zeit (das heißt in der Wettervorhersage etwa
eine Woche) das Wettergeschehen fast auf dem gesamten
europäischen Kontinent. So liegen sich ein mächtiger
Tiefdruckkomplex über dem Nordatlantik und ein kräftiges
Hochdruckgebiet über dem östlichen und nordöstlichen Europa
unversöhnlich gegenüber. Dabei wabert die Grenze des
Wettereinflusses über der Mitte des Kontinents im Laufe der
Tage etwas hin und her. Da sich die Luft um Hochs auf der
Nordhemisphäre im Uhrzeigersinn, um Tiefs gegen den
Uhrzeigersinn bewegt, stellt sich über Mitteleuropa zwischen
den Druckgebieten eine südliche bis südöstliche Luftströmung
ein. Die dadurch zu uns einfließende Luft ist deutlich wärmer
als das, was wir aus der vergangenen Woche gewohnt waren.
Außerdem setzt sich nach Abzug eines Tiefausläufers aus dem
Nordwesten und Norden Deutschlands im Laufe des Sonntags sogar
verbreitet recht freundliches Wetter mit häufigeren sonnigen
Abschnitten durch. Auch der Montag liegt wettertechnisch auf
der von den meisten als 'gut' empfundenen Seite, sprich, neben
ein paar Wolkenfeldern lässt sich längere Zeit die Sonne
blicken, es bleibt trocken und vor allem in der Westhälfte
unseres Landes und am föhnigen Alpenrand mit Höchstwerten über
der 20-Grad-Marke auch recht warm.
In den folgenden Tagen geht die Rangelei zwischen Hoch und Tief
dann weiter. Dabei wird am Dienstag ein Randtief vom Atlantik
her zunächst vor allem das Wetter im Süden Deutschlands mit
mehr Wolken und gelegentlichem Regen beeinflussen. In der
zweiten Wochenhälfte streifen atlantische Fronten wohl vor
allem den Westen und Norden der Republik. Doch immer hält das
Hoch von Osten her dagegen und drängt alles, was vom Atlantik
kommt, wieder nach Westen ab. Im übrigen Land setzt sich das
herbstliche Wetter mit teils hochnebelartiger Bewölkung, teils
Sonnenschein fort. Federn lassen müssen allerdings die
Temperaturen, die im Verlauf der Woche ein wenig zurückgehen,
so dass zum kommenden Wochenende auch im Westen kaum noch Werte
über 20 Grad erreicht werden. Nach Osten hin wird es sogar mit
der 15-Grad-Marke zunehmend schwierig.
Alles in Allem kann man also nach dem ziemlich kühlen September
recht zufrieden sein, wenngleich die kommenden Oktobertage
nicht überall und jederzeit das Prädikat 'golden' verdienen.
Dipl.-Phys. Ansgar Engel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Samstag, den 2.10.2010
Thema des Tages
Die Okklusion
Am heutigen Samstag bringt eine so genannte Okklusion weiten
Teilen Deutschlands Regen.
Warmfronten kennt man, kennzeichnen sie doch den vorderen Rand
wärmerer Luftmassen.
Kaltfronten - na klar - haben meist deutlich kältere Luft im
Rucksack! Aber Okklusionen??
Lateiner wissen, dass das Wort von occludere hergeleitet ist
und somit "Zusammenschluss" bedeutet. Was hat das nun mit der
Meteorologie zu tun?
Nun. Stellen wir uns ein typisches Tief bei den Britischen
Inseln vor. Erinnern wir uns: im Bereich eines Tiefs bewegen
sich die Luftmassen auf der Nordhalbkugel entgegen dem
Uhrzeigersinn. Demzufolge wird an der Vorderseite unseres
"Tiefs Britische Inseln" Warmluft aus südlicheren Gefilden
nordwärts gelenkt, während rückseitig kältere Luft aus polaren
Breiten nach Süden strömt. Somit finden wir auf der Wetterkarte
dann auch entsprechende Warm- bzw. Kaltfronten, die den
Vorderrand der jeweiligen Luftmasse kennzeichnen.
Nun hat aber die Kaltfront die Eigenschaft, schneller voran zu
marschieren als die Warmfront. Sie holt also die Warmfront ein.
Das geschieht in der Nähe des Tiefdruckkerns natürlich rascher
als in den Randgebieten, schließlich ist der Weg dort deutlich
länger als im Kernbereich. Dort, wo die Kaltfront die Warmfront
eingeholt hat, ist das Frontensystem okkludiert.
An der Ausprägung der Okklusion kann man auch das Stadium eines
Tiefdruckgebietes ablesen. Das verdeutlicht die nebenstehende
Abbildung (dazu bitte auf "Thema des Tages" -> mehr . . .
klicken). Im Jugendstadium treffen sich Warm- und Kaltfront
erst im Kern des Tiefs. Im Reifestadium hat die Kaltfront die
Warmfront im Zentrum schon eingeholt, die Okklusion ist im Bild
lila markiert und durch das typische Warm-Kalt-Symbol
gekennzeichnet. Im Auflösungsstadium ist die Okklusion schon
weit voran geschritten.
In dem aufgeführten Beispiel hat sich jedoch bereits im Bereich
der "alten" Kaltfront ein neues Tief gebildet, so dass mit
diesem jungen System das Spiel von Neuem beginnt!
Und welche Wettererscheinungen können wir im Bereich einer
Okklusion erwarten? Kaltfronten verbinden wir mit Schauern und
Gewittern und oft sprunghaften Änderungen von
Windgeschwindigkeit und -richtung, Warmfronten hingegen eher
mit andauernden Niederschlägen. Okklusionen können sowohl eher
Kaltfront-, als auch Warmfront-Charakter haben. Das hängt
entscheidend von den Temperaturunterschieden im Bereich des
Tiefs ab.
Dipl.-Met. Dorothea Paetzold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Freitag, den 1.10.2010
Thema des Tages
Deutschlandwetter im September 2010:
Die wärmsten, trockensten und sonnigsten Orte in Deutschland
Erste Auswertungen der Ergebnisse von 2 100 Messstationen des
Deutschen Wetterdienstes (DWD) in ganz Deutschland
Besonders warme Orte im September 2010*
1. Platz Helgoland (S-H) 14,7°C Abw. - 0,2 Grad
2. Platz Heidelberg (Ba-Württ) 14,5°C Abw. - 1,0 Grad
3. Platz Stuttgart (Neckartal) 14,4°C Abw. - 1,4 Grad
Besonders kalte Orte im September 2010*
1. Platz Zinnwald-Georg. (S) 8,3°C Abw. - 1,4 Grad
2. Platz Carlsfeld (Sachsen) 8,3°C Abw. - 1,5 Grad
3. Platz Kahler Asten (NRW) 8,6°C Abw. - 1,3 Grad
Besonders niederschlagsreiche Orte im September 2010**
1. Platz Zinnwald-Georg. (Sachsen) 172,6 l/m² 234 %
2. Platz Cuxhaven (Niedersachsen) 169,9 l/m² 204 %
3. Platz Deutschneudorf-Brüderw.) 166,7 l/m² 224 %
Besonders trockene Orte im September 2010**
1. Platz Simbach/Inn (Bayern) 23,9 l/m² 36 %
2. Platz Passau-Fürstenzell (BY) 25,6 l/m² 41 %
3. Platz Mühldorf/Inn (Bayern) 30,6 l/m² 41 %
Besonders sonnenscheinreiche Orte im September 2010**
1. Platz Rheinfelden (Baden-Württ.) 199 Stunden 115 %
2. Platz Freiburg (Baden-Württemberg) 194 Stunden 109 %
3. Platz Buchenbach (Baden-Württ.) 193 Stunden 109 %
Besonders sonnenscheinarme Orte im September 2010**
1. Platz Kahler Asten (NRW) 97 Stunden 76 %
2. Platz Göttingen (Nieders.) 100 Stunden 75 %
3. Platz Lügde-Paenbruch (NRW) 101 Stunden 84 %
Bergstationen oberhalb 920 m NN sind hierbei nicht
berücksichtigt.
* Jahreszeitenmittel und Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
** %angaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Jahreszeitenwertes zum vieljährigen Mittelwert der
jeweiligen Station
(normal = 100 %)
Hinweis an die Redaktion:
Den Jahreszeitenüberblick für ganz Deutschland sowie die
Temperaturdaten der Bundesländer finden Sie im Internet unter
www.dwd.de/presse.
Detaillierte Informationen zu rund 400 ausgewählten
Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes finden Sie im
Wettershop des DWD unter www2.dwd-shop.de/wetterrueckblick.
html.
Rüdiger Seidel
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Vorhersage- und Beratungszentrale
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Donnerstag, den 30.9.2010
Thema des Tages
Großräumige Wetterlage
Die Witterung in weiten Teilen Europas wird in den kommenden
Tagen geprägt von zwei umfangreichen Druckgebilden. Auf der
einen Seite ist das ein mächtiges Tiefdrucksystem über dem
östlichen Nordatlantik, das weite Teile von Grönland bis zu den
Britischen Inseln überspannt, und sich am Wochenende bis zur
Iberischen Halbinsel ausdehnt. Auf der anderen Seite steht ein
Hochdruckgebiet mit Schwerpunkt über Skandinavien, das sich in
den Folgetagen langsam bis zum Baltikum und Nordwestrussland
verlagert.
So werden vom Tief wiederholt Ausläufer über den Westen und
Nordwesten Europas in Richtung Mitteleuropa geführt. Daher
dürften Regenwolken das bestimmende Element am Himmel der
Britischen Inseln sein. Hinzu kommen Temperaturen so um die 14
bis 19 Grad. Auch die Iberische Halbinsel kommt mehr und mehr
in den Einflussbereich des Tiefs. Am längsten halten sich
Sonnenschein und Wärme noch an der Mittelmeerküste, wo bis
Sonntagabend noch nicht viel passieren sollte. Dort ist es mit
Höchstwerten meist zwischen 25 und 30 Grad auch noch sommerlich
warm. Nach Norden hin wird es dagegen regnerisch. Vor allem in
der Nordhälfte Portugals muss mit teils erheblichen Regenmengen
um die 100 Liter pro Quadratmeter gerechnet werden. An der
französischen Mittelmeerküste ist es am Wochenende leicht
durchwachsen, gebietsweise aber auch trocken bei wieder
ansteigenden Temperaturen.
Im Bereich des Hochdruckgebietes herrscht teils hochnebelartig
bewölktes, teils freundliches Wetter. Auf seiner Ostseite
gelangt aber recht kalte Luft in den Norden Russlands. Dort
werden tagsüber kaum mehr als 4 Grad erreicht, in den Nächten
herrscht leichter Frost. In Richtung Ural kommt es zu
Niederschlägen, die vielfach bis in die Niederungen als Schnee
fallen. Väterchen Frost lässt bereits grüßen!
Dipl.-Phys. Ansgar Engel
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Vorhersage- und Beratungszentrale
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Mittwoch, den 29.9.2010
Thema des Tages
Oktober beginnt mild, aber nicht überall golden
Der am Donnerstag zu Ende gehende September hat für viele die
Erwartungen nicht erfüllt, was länger anhaltendes
Altweibersommerwetter mit viel Sonnenschein und trockenen Tagen
betrifft. Das Thema des Tages beschäftigte sich ja in den
letzten Ausgaben ausführlich mit den großen Regenmengen in
Teilen von Deutschland. Im Osten Deutschlands wird der aktuelle
Monat als mit Abstand regenreichster September seit Beginn der
Wetteraufzeichnungen in die Geschichte eingehen. Örtlich fiel
mehr als das fünffache an Regen vom Himmel als durchschnittlich
im September. Details gibt es dann an dieser Stelle am 1.
Oktober nachzulesen.
Nachdem der September auch bei der Temperatur und beim
Sonnenschein wohl unterdurchschnittlich abschneiden wird, gehen
jetzt die Hoffnungen in Richtung eines goldenen Oktobers. Wie
schon in der Überschrift angedeutet, scheint der Start in den
neuen Herbstmonat schon einmal in die richtige Richtung zu
gehen, zumindest was das Temperaturniveau betrifft. Ab dem
Wochenende soll sich über Mitteleuropa eine großräumig südliche
Luftströmung einstellen. Allerdings wird die Luft vor allem in
den westlichen Landesteilen auch recht feucht sein, so dass
dort eher die Wolken überwiegen werden und es wohl auch nicht
immer trocken bleiben wird. Nach Osten zu kann man sich auf
zeitweise Sonnenschein freuen, allerdings muss die Sonne hier
erst einmal die teilweise schon recht zähen herbstlichen
Nebelfelder auflösen. Der stärkere südliche Wind im Westen,
zeitweise Sonne im Osten und Süden, hier auch mit Unterstützung
des Föhns, sorgen für ein überwiegend mildes Wochenende. Am
Samstag werden im Westen Höchsttemperaturen von verbreitet 15
bis 18 Grad erwartet, am Oberrhein sogar bis 20 Grad. Am
Sonntag legen die Temperaturen noch eine Schippe drauf. Entlang
des Rheins können dann vielerorts 20 bis 23 Grad erreicht
werden. Auch am Alpenrand kann es mit Föhnunterstützung um 20
Grad warm werden.
Nach derzeitigem Prognosestand scheint sich das milde Wetter
auch in der ersten Oktoberwoche fortzusetzen. Wer hier auf der
DWD-Startseite unter "Deutschlandwetter" auf [mehr] klickt,
findet dort auch einen täglich aktualisierten 15 Tage-
Temperaturtrend. Danach dürfen wir sogar für das übernächste
Wochenende auf Spitzentemperaturen bis 20 Grad hoffen. Aber für
einen solch langen Prognosezeitraum sind die Vorhersagen
natürlich noch mit sehr viel Vorsicht zu genießen. Wer noch
weiter in die Zukunft schauen möchte, der findet in diesem
Bereich auch noch einen Jahreszeitentrend. Hier sind dann aber
nur noch sehr pauschale Aussagen möglich, ob zum Beispiel eine
Jahreszeit kälter oder wärmer ausfallen soll als im
langjährigen Mittel. Wenn man rechts im Bereich "Thema des Tages
" auf [mehr] klickt, findet man eine aktuelle Grafik zu den
erwarteten Temperaturverhältnissen im Herbst. Danach soll der
Zeitraum September bis November wahrscheinlich wärmer als im
langjährigen Durchschnitt ausfallen. In die gleiche Richtung
geht sogar die aktuelle Prognose für den Winter. Mit Blick auf
die Heizkostenrechnung werden sich viele von uns über solche
Aussichten freuen.
Dipl.-Met. Andreas Friedrich
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Dienstag, den 28.9.2010
Thema des Tages
Bilanz des Dauerregens
Seit dem vergangenen Wochenende steht ganz Mitteleuropa unter
Einfluß eines umfangreichen Tiefdruckkomplexes. Entlang eines
bisweilen schwer zu analysierenden Frontensystems kam relativ
milde Meeresluft von Skandinavien her südwärts voran, glitt an
der über Mitteleuropa liegenden, kühleren und trockeneren
Luftmasse auf, wurde langsam empor gehoben, wobei durch
adiabatische Abkühlung Kondensation und folglich Wolken- und
großflächige Niederschlagsbildung einsetzte.
Seit Sonnabend früh regnete es zunächst in Süd- und
Ostdeutschland, seit Sonntag mit Schwerpunkt in der
Nordosthälfte Deutschlands z.T. ununterbrochen. Die höchsten
Niederschlagsmengen traten in Sachsen-Anhalt, Sachsen sowie im
südlichen Brandenburg auf. Spitzenreiter in der Statistik der
achtundvierzigstündigen Regenmengen bis heute früh 06:00 UTC
war Radis, ein Ortsteil der Stadt Kemberg im Landkreis
Wittenberg (Sachsen-Anhalt, 51°46'N, 012°27'E, 94 m ü. NN), wo
94.7 Liter pro Quadratmeter (=mm) fielen. Auf den Rängen folgen
Klettwitz (Brandenburg, 51°33'N, 013°50'E, 128 m ü. NN) im
Landkreis Oberspreewald-Lausitz mit 94.4 mm und das sächsische
Strauch (Ortsteil von Großenhain im Landkreis Meißen, 51°25'N,
013°34'E, 128 m ü. NN) mit 93.8 mm.
Wenn diese Regenmengen auch Unwettercharakter aufwiesen,
rekordverdächtig sind sie auch hierzulande keineswegs. Während
des sog. Elbehochwassers 2002 wurden am 12. August an der
Station Dresden-Klotzsche 158.0 mm und in Oschatz 108.5 mm in
nur vierundzwanzig Stunden gemessen.
(Zum Ereignis finden Sie eine analysierte Bodenwetterkarte, ein
Radarbild sowie eine Karte achtundvierzigstündiger Regenmengen
rechts in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr].)
Montag, den 27.9.2010
Thema des Tages
Dauerregen in Nordostdeutschland
Mitteleuropa liegt im Bereich eines umfangreichen Tiefkomplexes
mit Schwerpunkt über Pommern, der kühle Luftmassen aus
nördlicher Richtung heranführt. Am Kaltluftkörper aufgleitende
Warmluft wird gehoben, Abkühlung und Kondensation führen zu
ergiebiger Niederschlagsbildung.
Seit Sonnabend regnete es vor allem in der Osthälfte unseres
Landes. Dort beobachtete man innerhalb von vierundzwanzig
Stunden bis gestern früh 06:00 UTC beispielsweise 67 mm in
Deutschneudorf (50°37'N, 013°27'W, 688 m ü. NN) und 54 mm in
Zinnwald-Georgenfeld (50°44'N, 013°46'W, 877 m ü. NN). Am
gestrigen Tage sowie in der vergangenen Nacht fielen die
größten Regenmengen in einem breiten Streifen zwischen der
Deutschen Bucht und dem Erzgebirge, wobei der Schwerpunkt im
Bereich es Fläming, einem maximal 200 m hohen, glazial
geformten Höhenzug im südwestlichen Brandenburg und östlichen
Sachsen-Anhalt lag. Spitzenreiter in der Statistik bis heute
früh 06:00 UTC war die Station Böcke (52°19'N, 012°24'W, 37 m
ü. NN) mit 53 mm, gefolgt von Wiesenburg (52°08'N, 012°27'W,
187 m ü. NN) mit 52 mm, während Drewitz (52°13'N, 012°07'W,
80 m ü. NN) und Brück (52°10'N, 012°42'W, 52 m ü. NN) 51 mm
registrierten.
(Ein Radarbild sowie eine Karte vierundzwanzigstündiger
Regenmengen vom 27.09.2010, 06:00 UTC, finden Sie
rechts in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr].)
Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
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Sonntag, den 26.9.2010
Thema des Tages
Dauerregen im Osten Deutschlands
In weiten Bereichen von Schleswig-Holstein und dem Osten
Deutschlands bis hin zum Erzgebirge regnet es bereits seit
Samstagfrüh. Dabei sind in Brandenburg während der letzten 24
Stunden schon verbreitet mehr als 20 L/qm gefallen. In den
nördlichen Gebieten des Bundeslandes meldeten die Stationen
Karstaedt/Prignitz und Perleberg Regenmengen von mehr als 30
L/qm. Am Rande des Erzgebirges wurden in Rosenthal-Bielatal
mehr als 40 L/qm gemessen, in Zinnwald-Georgenfeld waren es
sogar 54 L/qm.
Und es regnet weiter. Nach den letzten Prognosewerten können
bis Montagabend örtlich noch einmal Regenmengen von 30 bis 40
L/qm fallen. Erst zum Dienstag hin wird der Regen allmählich
nachlassen. Brandenburg, Sachsen und vor allem das Erzgebirge
werden wohl die Schwerpunkte der intensiven Dauerniederschläge
sein.
In den anderen Bereichen Deutschlands gestaltet sich das Wetter
zunächst weitaus freundlicher. Nach Auflösung von
Frühnebelfeldern kommt dort tagsüber sogar einmal die Sonne
durch. Aber die Höchsttemperaturen haben mit sommerlichen
Werten nicht mehr viel zu tun. 10 bis 15 Grad C sind doch
Temperaturen, die man eher als herbstlich bezeichnen kann. Am
Dienstag ist es aber auch in Süddeutschland mit dem
freundlichen Wetter vorbei, denn dann zieht auch hier ein
Regenband durch.
Dipl.-Met. Helmut Malewski
Deutscher Wetterdienst
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Samstag, den 25.9.2010
Thema des Tages
Der Herbst muss nicht immer mit viel Wind und Regen anfangen
Jede Jahreszeit hat in der öffentlichen Wahrnehmung ihre
typischen Eigenschaften. So stellt man sich den typischen
Sommer mit viel Sonne und heißen Temperaturen vor, der typische
Winter dagegen ist kalt und schneereich, weiße Weihnachten
natürlich eingeschlossen. Der Herbst gilt als eher raue
Jahreszeit mit viel Wind und Regen.
Insofern erscheint es fast zwangsläufig, dass pünktlich zum
Herbstanfang der Wettercharakter wechselte. Hoch "Ludger", das
uns in der vergangenen Woche den Altweibersommer beschert hat,
zog nach Osten ab und Tief "Kathrein" leitete den Herbst ein.
Dennoch ist diese Entwicklung zufällig, denn weder Hoch "Ludger
" noch Tief "Kathrein" richten sich nach dem Kalender, sondern
nach den großräumigen atmosphärischen Strömungsmustern über der
Nordhemisphäre.
Und auch nicht überall war der Herbstanfang typisch herbstlich.
Am gestrigen Freitag zeigte das Wetter in Deutschland zunächst
zwei völlig unterschiedliche Gesichter. Im Westen übernahm
bereits in den frühen Morgenstunden "Kathrein" das Zepter und
brachte wolkiges und teils regnerisches Wetter. Unter der
dichten Wolkendecke kamen die Temperaturen im Gegensatz zu den
Vortagen nicht mehr über 20 Grad hinaus, teilweise sogar nicht
einmal mehr über die 15 Grad. Der östliche Teil Deutschlands
hingegen lag weiter im Einfluss von Hoch "Ludger", so dass bei
wenigen Wolken örtlich sogar noch einmal Werte über 25 Grad
erreicht wurden. Das ist in der Terminologie der Meteorologen
sogar ein Sommertag, womit wir wieder bei den Jahreszeiten
wären. Umso heftiger fiel dann aber der Abschied von "Ludger"
aus. In den Abendstunden zog von Westen eine Gewitterfront
heran, wobei in Teilen von Bayern und im Nordwesten
Deutschlands teils kräftige Gewitter entstanden.
Zurzeit schaufelt "Kathrein" kräftig Kaltluft in Richtung
Mittelmeer. Dabei entwickelt sich ein neues Tief über dem Golf
von Genua, was sich dann über Ungarn und Tschechien in Richtung
Polen bewegen und dabei noch einiges an Regen für die östlichen
Teile Deutschlands und das gesamte östliche Mitteleuropa
bringen wird. Diese Entwicklung ist aber ebenfalls keineswegs
typisch herbstlich, denn in diesem Jahr haben Tiefs schon sehr
häufig diese Zugbahn eingeschlagen. Der Wetterablauf ist dabei
fast immer mit viel Regen verbunden, je nach Jahreszeit spielt
sich das Ganze dann nur auf unterschiedlichen Temperaturniveaus
ab. Man bezeichnet diese Zugbahn mit V b-Zugbahn (Fünf b).
Diese Bezeichnung geht auf den deutschen Meteorologen Wilhelm
Jacob van Bebber zurück. Er kategorisierte Ende des 19.
Jahrhunderts typische Zugbahnen von Tiefs mit einer Kombination
aus römischen Ziffern und lateinischen Buchstaben. Bis auf die
Zugbahn V b sind sie aber weitgehend in Vergessenheit geraten.
Dipl.-Met. Johanna Anger
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Freitag, den 24.9.2010
Thema des Tages
Herbst legt einen sommerlichen Traumstart hin
Seit Donnerstagmorgen, den 23. September, exakt um 5.09 Uhr,
ist nun auch im Kalender Herbst. Vom Wetter her ging der Sommer
2010 allerdings noch für einen Tag in die Verlängerung. Das
schöne Altweibersommerwetter der letzten Tage fand zum
Herbstbeginn seinen krönenden Abschluss. Vor allem im Osten
lachte die Sonne über 10 Stunden von einem meist wolkenlosem
Himmel. Sonnenschein und milde Luft aus südlichen Breiten ließ
die Temperatur nochmals auf sommerliche Werte ansteigen. Mit
offiziell gemessenen 26 Grad lagen Dachwig (Thüringen),
Stuttgart, Metzingen, Ohlsbach und Emmendingen-Mundingen (alle
in Baden-Württemberg) in der Temperaturhitliste an der Spitze.
Auch an einer Reihe weiterer Stationen wurde mit einer
Höchsttemperatur von 25 Grad nochmals ein Sommertag erreicht.
Nördlichste Station an der ein Sommertag registriert wurde, ist
Lenzen an der Elbe, im äußersten Nordwestzipfel von Brandenburg
gelegen.
Solche Werte sind allerdings für Ende September nicht
rekordverdächtig. Betrachtet man das letzte Septemberdrittel,
so liegen die bisher beobachteten Rekordwerte an einigen
Wetterstationen bei über 30 Grad. In Lahr am Oberrhein wurde
zum Beispiel 21. September 1987 31,7 Grad erreicht. Auch am 21.
und 22. September 2003 wurde an einigen Orten die 30 Gradmarke
überschritten.
In der Nacht zum Freitag kam dann in der Westhälfte Bewölkung
auf. Nach den sommerlichen Tagestemperaturen am Donnerstag
blieb die Nacht unter der schützenden Wolkendecke für Ende
September teilweise sehr mild. In Hildesheim im südlichen
Niedersachsen wurde mit 15,6 Grad die mildeste Nacht im
bisherigen September registriert. Letztmals so eine milde Nacht
gab es dort vor einem Monat, vom 22. auf den 23. August.
Von Sommertagen und milden Nächten müssen wir uns jetzt aber
verabschieden. Es steht ein deutlich herbstlich geprägter
Witterungsabschnitt ins Haus. In Hildesheim zum Beispiel werden
am Sonntag und Montag mit Höchsttemperaturen von nur noch 14
und 13 Grad auch tagsüber nicht mehr solche Werte erreicht, wie
sie noch in der Nacht zum Freitag gemessen wurden.
Dipl.-Met. Andreas Friedrich
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Donnerstag, den 23.9.2010
Thema des Tages
Das war's - war's das?
Nun ist er also auch kalendarisch vorbei, der Sommer 2010. Auch
wenn mit dem 23. September, dem ersten Herbsttag, der
Spätsommer deutschlandweit nochmals eine Galavorstellung
abliefert, die großräumige Umstellung der Wetterlage kommt
unaufhaltsam voran. Vom Atlantik her schwenkt ein
Tiefdruckkomplex herein, der viele Wolken mit Regen und teils
kräftigen Gewittern, in der Folge auch kühlere Luft mitbringt.
Damit rückt zum kommenden Wochenende die 20-Grad-Marke in weite
Ferne. Lediglich der Osten der Republik könnte noch von Resten
der Warmluft profitieren. Zu Beginn der kommenden Woche pendeln
sich dann die Höchsttemperaturen in ganz Deutschland meist bei
Werten um 15 Grad herum ein.
Doch müssen die Sonnenanbeter nun die Hoffnung auf warmes,
sonniges Wetter begraben? Natürlich stirbt bekanntermaßen die
Hoffnung zuletzt, und nicht umsonst gibt es den Begriff des
'goldenen' Oktobers. So macht ein Blick in die Wettergeschichte
Mut, beispielsweise zum Monatsbeginn des Oktober 1985. Damals
stiegen die Temperaturen am 3. und 4. des Monats bei straffer
südwestlicher bis südlicher Strömung in weiten Landesteilen auf
Werte um 25 Grad, im Südwesten teils sogar bis 30 Grad.
Um es gleich zu sagen, eine wissenschaftlich fundierte,
detaillierte Wettervorhersage über einen Zeitraum von mehr als
5 oder 6 Tagen im Voraus ist nach heutigem Stand der
Wissenschaft nicht machbar. Und innerhalb dieser Zeitspanne
gibt es für die kommenden Tage derzeit keinen belastbaren
Hinweis auf eine Rückkehr des Altweibersommers. Um aber den
Herbst 2010 nach dem Dämpfer der nächsten Tage gleich komplett
abzuschreiben, ist es definitiv zu früh.
Dipl.-Phys. Ansgar Engel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Mittwoch, den 22.9.2010
Thema des Tages
Kalendarischer Herbstanfang
Nach meteorologisch-klimatologischer Definition ist bereits
seit dem 1. September Herbst. Gefühlt begann der Herbst in
diesem Jahr für einige wetter- und temperaturempfindliche
Zeitgenossen sogar bereits im August. Und nun, genauer gesagt
am Morgen des Donnerstags, 23. September, exakt um 5.09 Uhr
Sommerzeit, wird es auch nach astronomischer / kalendarischer
Festlegung Herbst. Dieser Tag wird landläufig auch als 'Herbst-
Tag-und-Nachtgleiche' bezeichnet - ein klarer Hinweis, dass ab
dem nächsten Tag auf der Nordhemisphäre der Erde für ein halbes
Jahr die Nächte länger sind als die Tage. Professionelle
Erbsenzähler mögen beim Blick auf den Kalender, speziell auf
die Auf- und Untergangszeit der Sonne, bemäkeln, dass der
lichte Tag doch noch für ein paar Tage nach dem Herbstanfang
einige Minuten länger ist als die Nacht. Ja, spinnen die denn,
die Astronomen und Kalenderexperten? Natürlich nicht - hier ist
die Auflösung.
Der Punkt am Himmel, an dem die Sonne zum astronomischen
Herbstanfang von uns aus gesehen steht, ist tatsächlich genau
12 Stunden über dem rechnerischen (mathematischen) Horizont.
Allerdings ist die Sonne nicht punktförmig, sondern erscheint
uns als Scheibe am Himmel. Da der Sonnenaufgang definiert ist
als Zeitpunkt, an dem der obere Rand der Sonnenscheibe den
Horizont überschreitet, und der Sonnenuntergang als Zeitpunkt,
an dem die Sonne komplett unter den Horizont gewandert ist,
gewinnt man gegenüber dem mathematischen Mittelpunkt der Sonne
etwas Sonnenschein hinzu.
Ein weiterer Effekt ist sogar noch etwas größer. Unsere
Erdatmosphäre wirkt wie eine große Linse, die das Licht etwas
nach 'innen', also auf die Nachtseite des Globus lenkt. Oder
anders ausgedrückt, die Luft bricht die Lichtstrahlen der Sonne
so, dass uns die Sonne in Horizontnähe etwas höher erscheint,
als sie 'tatsächlich', rechnerisch ist. Dieser Effekt macht
etwa ein halbes Winkelgrad aus. Demnach ist die Sonne, wenn sie
mathematisch exakt gerade untergegangen wäre, für uns gerade
noch komplett über dem Horizont zu sehen (die scheinbare
Sonnenscheibe hat einen Durchmesser von etwa einem halben Grad).
Beide Effekte zusammen lassen uns das Tageslicht noch etwas
länger genießen, als es die kalte Mathematik tun würde.
Allerdings ist dieser Gewinn an Sonnenscheindauer in der Praxis
eher ohne Belang. Bereits ein kleiner Hügel im Osten oder
Westen in der weiteren Umgebung des Standortes macht die paar
zusätzlichen Minuten Sonnenschein zunichte. Von den
Häuserschluchten der Städte oder engen Alpentälern brauchen wir
erst gar nicht zu sprechen. Auch hält das Tageslicht-Plus nicht
lange vor. Nach nur wenigen Tagen sind auch die paar Minuten
abgebaut, und die Nächte werden unerbittlich immer länger -
bis zum kalendarischen (astronomischen) Winteranfang, in diesem
Jahr in der Nacht zum 22. Dezember um 0.38 Uhr Winterzeit.
Dipl.-Phys. Ansgar Engel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Dienstag, den 21.9.2010
Thema des Tages
Musik
Der musikalische, oder sagen wir besser und weniger hochtrabend
der akustische Teil des Wetters, wird oft kaum oder nur am
Rande wahrgenommen. Dabei sind das Pfeifen des Windes, das
Plätschern von Regentropfen oder das Donnern bei Gewitter
eigentlich allen bekannt. Und es ist vorstellbar, dass diese
Geräusche für den einen oder anderen sogar wie Musik in den
Ohren klingen.
Weniger bekannt ist dagegen die Tatsache, dass die allgemeinen
atmosphärischen Gegebenheiten Einfluss auf die
Schallausbreitung und damit die Wahrnehmung von
Umgebungsgeräuschen haben. So ist die Dämpfung von Schallwellen
z. B. von der Temperatur und der Feuchte abhängig. Dabei gilt,
grob gesagt, dass die Dämpfung umso stärker ist, je trockener
und kälter es ist. Wer in der Stadt an einer vielbefahrenen
Straße einmal dem Verkehr an einem trockenen und einem feuchten
Tag "gelauscht" hat, wird dies bestätigen können, auch wenn man
dabei Nebeneffekte wie ein verändertes Abrollgeräusch der
Autoreifen berücksichtigen muss. Umgekehrt kann man Mozarts
kleine Nachtmusik nach wissenschaftlichem Stand der Dinge
nachts leiser stellen, da es dann etwas kühler und die
Schallabschwächung folglich niedriger ist. Dass dieser Effekt
aber auch dafür verantwortlich ist, dass die meisten
Polizeieinsätze wegen lauter Musik in der Nacht erfolgen, darf
wohl zu Recht bezweifelt werden.
In den kommenden Tagen werden die akustischen Phänomene des
Wetters - sozusagen seine hörbare Musik - wieder sehr dezent
sein. Windpfeifen, Donnern, Regenplätschern - erst einmal
Fehlanzeige. Im Gegenteil: Bis in die zweite Wochenhälfte
kündigt sich jetzt eine ruhigere Wetterkomposition an. In einem
virtuosen Duett sorgen hoher Luftdruck und damit absinkende
Luft sowie eine südwestliche Strömung für steigende Temperaturen.
Bis zu 25 Grad werden am Mittwoch und Donnerstag im Südwesten
lokal erreicht, und die 20-Grad-Marke kommt am Donnerstag bis
an die Ostsee voran. Damit liegen die Temperaturen eine
"Oktave" höher als noch am vergangenen Wochenende. "Comodo",
also behaglich könnte man die Temperaturen in weiten Teilen
Deutschlands nennen. Im Gleichklang dazu zeigen sich nur wenige
Wolken, besonders im Süden. In großen Gebieten wird das für
eine Wettersituation sorgen, die gut mit dem Begriff
Altweibersommer beschrieben werden kann.
Für kurze - sozusagen staccato gespielte - Misstöne sorgt nur
das Motiv des Nebels, das immer wieder in den Frühstunden von
der Wetterkomposition aufgegriffen wird. Das allerdings ist für
die Jahreszeit normal, und manch einer wird dies auch nicht als
Misston, sondern als romantisches Element betrachten. Ob
romantisch oder Misston - hier darf jeder ganz frei seine
Meinung vertreten.
Wirklich aus dem Takt kommt das Wetter erst wieder am Ende der
Woche, wenn uns ein neuer Tiefausläufer von Westen erreicht.
Für alle, die das harmonische Herbstwetter gerne noch etwas
länger genossen hätten, kommt diese Vorstellung einer wahren
Kakophonie gleich. Aber das ist noch Zukunftsmusik.
"Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum" soll der Philosoph
Friedrich Nietzsche einmal gesagt haben.
Ohne Wetter auch?
Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Montag, den 20.9.2010
Thema des Tages
Mit höheren Temperaturen in Richtung Herbst...
Geradezu klassisch war die Temperaturverteilung am Montagmorgen
über Deutschland, betrachtet man die Wolken- und
Druckverteilung über Mitteleuropa.
Im Bereich von Tief "Joleen", dessen Zentrum über
Südskandinavien lag, bestimmten dichte Regenwolken das Wetter
in Norddeutschland. Vor allem in Schleswig-Holstein war der
Regen auch von der etwas kräftigeren Sorte, was sich in nicht
ganz unerheblichen Niederschlagssummen äußerte. Im schleswig-
holsteinischen Ostenfeld fielen in den 24 Stunden von Sonntag 8
Uhr bis Montag 8 Uhr 31 Liter Wasser pro Quadratmeter, auf
Sankt Peter Ording wurden im selben Zeitraum 25 Liter gemessen.
Entsprechend der Bewölkung verhielten sich auch die
Nachttemperaturen. Wie unter einer Decke blieb es recht warm,
so dass die Tiefstwerte im Norden meist zwischen 13 und 10 Grad
lagen. Als "Gegenpol" dazu kann der Süden angesehen werden.
Hier dominierte der Einfluss einer langgestreckten
Hochdruckzone mit dem Namen KARLHEINZ und vor allem südlich des
Mains war es zeitweise klar. Der mit dem wolkenfreien Himmel
verbundene Temperaturrückgang führte nicht nur zu einigen
Nebelfeldern, die vor allem entlang der Donau zu verzeichnen
waren, es gab auch Frost beziehungsweise Bodenfrost. Während
sich die frostigen Werte in 2 Meter Höhe auf eher etwas
ungünstig gelegene Orte beschränkten, gab es den Bodenfrost
recht verbreitet. In Nürnberg-Netzstall wurde am Erdboden minus
2 Grad gemessen.
In den nächsten Tagen verstärkt sich über Mitteleuropa der
Einfluss der vorgenannten Hochdruckzone. Damit wird es ab
Dienstag nicht nur niederschlagsfrei bleiben, die Mitte und der
Süden der Republik kommen auch in den Genuss von reichlich
Sonnenschein. Die Sonne befindet sich bei uns allerdings seit
einiger Zeit wieder auf dem Rückzug, so dass reichlich
Sonnenschein einen Tag vor Beginn des kalendarischen Herbstes
auch nicht mehr so viel ist. Auch die Höchsttemperatur macht
einen Satz nach oben. Zur Wochenmitte werden verbreitet Werte
über 20 Grad erwartet und im Südwesten startet der
kalendarische Herbst stellenweise mit sommerlichen Höchstwerten
von 25 Grad.
Dipl.-Met. Bernd Zeuschner
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Sonntag, den 19.9.2010
Thema des Tages
Teils Regen, teils Sonnenschein
Am Samstag war das Wetter bei uns im Lande doch recht
unterschiedlich: Während man sich im Süden auf bis zu 11
Stunden Sonnenschein freuen konnte, machte sich besonders im
Nordwesten die Sonne rar. Insgesamt schien sie dort nur 2 bis 5
Stunden, dazu kamen immer wieder Schauer. So kamen bis heute
früh örtlich recht erkleckliche 24std. Regenmengen zusammen. In
Dornum fielen 14 l/m², im Raum Cuxhaven sogar bis 21 l/m².
Wer sich über dieses Regenwetter ärgerte, dem sei erneut ein
Blick auf das bereits gestern von meinem Kollegen Thomas
Ruppert erwähnte Slowenien gestattet.
Dort hat es nämlich -wie bereits angekündigt- weiter geregnet.
Das Skigebiet Vogel, das gestern mit 207 l/m² Spitzenreiter
war, bekam nun 64 l/m² dazu. Ljubiljana meldete heute früh 178
l/m², gestern waren es bereits 140 l/m². Der Donnerstag war
ebenfalls ein Regentag - wenn auch mit geringeren Regenmengen -
, so dass in der Summe in den letzten 3 Tagen zum Teil über 300
Liter Regen fielen! Die Tiefdruckrinne, die diese Regenmassen
verursacht hat, schwächt sich jedoch zusehends ab, die Lage
wird sich nun entspannen.
Bei uns hingegen bleibts in den nächsten Tagen zweigeteilt:
unbeständig im hohen Norden, in der Mitte und im Süden recht
sonnig. Zum Wochenbeginn wird dort auch die 20 Grad- Marke
überschritten! Und das, obwohl es nachts im Süden bereits
empfindlich kalt ist. In der vergangenen Nacht sank die
Temperatur in Bodennähe vielerorts unter den Gefrierpunkt, in
Nürnberg wurde sogar leichter Luftfrost registriert! Wenn sich
nun die Luft wieder etwas erwärmt, wird sich das auch auf die
Nachttemperaturen auswirken.
Dipl.-Met. Dorothea Paetzold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Samstag, den 18.9.2010
Thema des Tages
Sintflutartige Niederschläge in Slowenien
Seit ein paar Tagen erstreckt sich ein Frontensystem von der
Iberischen Halbinsel bis zum Balkan und Osteuropa und trennt
warme und feuchte Mittelmeerluft von relativ kühler und
ursprünglich atlantischer Luft. An dieser Luftmassengrenze
bildete sich ein flaches Tiefdrucksystem mit Zentrum über der
norditalienischen Poebene und einem Kerndruck von knapp 1010
hPa, was auf den ersten Blick wenig wetterwirksam erscheinen
mag. Derartige Konstellationen (je nach konkreter Lage des
Tiefzentrums auch Genua-, Adria- oder einfach Mittelmeertiefs
genannt) haben es jedoch in sich, denn im Bereich der
Warmfront, wo die feucht-warme mediterrane Luftmasse auf die
trocken-kühle Atlantikluft aufgleitet und empor gehoben wird,
entstehen durch Abkühlung, Kondensation und
Niederschlagsbildung mächtige Regengebiete. Folgen sie der
atmosphärischen Höhenströmung auf einem nordöstlichen Kurs und
gelangen an den Alpen vorbei ins östliche Mitteleuropa, hat man
es mit den berüchtigten Vb-Wetterlagen zu tun, auf deren Konto
auch das verheerende Elbhochwasser des Jahres 2002 geht. Im
heutigen Falle besteht für uns jedoch keine Gefahr, denn hoher
Luftdruck über West- und Mitteleuropa (Hoch KARLHEINZ) drückt
das Regentief ostwärts in Richtung Adria.
In deren Umgebung regnet es seit gestern ergiebig, besonders in
Slowenien, wo die Niederschläge durch orographische Hebung an
den Gebirgen noch verstärkt werden. Bis gestern früh 06:00 UTC
fielen im Skigebiet Vogel (Julische Alpen, 46°16'N, 013°49'E,
1535 m ü. NN) 79 L/m² (= mm) innerhalb von vierundzwanzig
Stunden, heute früh waren es sogar 207 mm! An der Station
Katarina bei Ljubljana (46°06'N, 014°22'E, 685 m ü. NN)
registrierte man 158 mm und in der Hauptstadt selbst (46°04'N,
014°30'E, 299 m ü. NN) immerhin noch 140 mm. Bis morgen werden
weitere Regenfälle in der Größenordnung von mehreren zehn
Litern pro Quadratmeter erwartet, so daß in den
Einzungsgebieten der Donauzuflüsse Drau und Save möglicherweise
Hochwassergefahr besteht.
Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Freitag, den 17.9.2010
Thema des Tages
Hilfsmittel Radar - Teil 2
Im ersten Teil ging es darum, dass eigentliche Prinzip eines
Radars zu verstehen. In diesem Beitrag soll nun ein Einblick in
die vielseitigen Möglichkeiten der weitergehenden Anwendung
gegeben werden.
Die einfachste Anwendungsmöglichkeit leitet sich aus der
Funktionsweise des Radars her. Dieses misst, wie in Teil 1
beschrieben, die Reflektivität an einem bestimmten Ort. Je
größer der Anteil des zurück geworfenen Signals ist, desto
stärker ist in der Regel der Niederschlag. Entsprechend lässt
sich mit einem Radar überwachen, wo und wieviel es regnet (bzw.
schneit) und ob es sich um ein großflächiges Regengebiet
handelt oder nur um einen Schauer. Anhand einer Bildfolge
(Animation), kann darüber hinaus die Geschwindigkeit und
Verlagerungsrichtung des Niederschlagsgebietes abgeschätzt
werden. Um den Meteorologen diese Arbeit etwas zu erleichtern,
gibt es automatisierte Systeme, die diese Aufgabe übernehmen.
Insbesondere bei Gewittern ist dies eine entscheidende Hilfe.
Eine weitere für das Warnwesen wichtige Nutzungsmöglichkeit
ergibt sich aus der Tatsache,dass man die Reflektivität in die
Regenrate umrechnen kann. Damit lässt sich die stündliche
Niederschlagsmenge über ganz Deutschland abschätzen. Das ist
insbesondere deshalb wichtig, da es nicht überall Messstationen
gibt und man dadurch trotzdem eine Information zu Verfügung
hat, um bestimmte Gebiete passend zu bewarnen. Ein weiterer
Vorteil besteht darin, dass man die aufsummierten Stundenwerte
alle 5 min zur Verfügung hat, sodass man schneller auf
Änderungen reagieren kann.
Betrachtet man Gewitter, so ist es nicht nur von Wichtigkeit,
wie groß die Reflektivität auf einer Ebene ist, vielmehr
interessiert die Stärke der zurückgeworfenen Strahlung bis zur
Oberkante der Wolke. Das Radar führt seine Scans mit
verschiedenen Höhenwinkeln durch und bekommt damit ein
dreidimensionales Bild. Man spricht in diesem Zusammenhang von
"Volumenscans". Diese sind besonders wichtig, da man erst
daraus abschätzen kann, wie gefährlich ein Gewitter ist. Reicht
der Anteil der starken Reflektivität bis in große Höhen, kann
man davon ausgehen, dass mit ergiebigen Regen und / oder Hagel
zu rechnen ist. Mit Hilfe von dreidimensionalen Bildern lässt
sich außerdem die Struktur von Gewitterzellen untersuchen,
womit ihr Zustand und das Entwicklungsstadium abgeschätzt
werden können.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass man mit Hilfe des Radars
neben dem Niederschlag auch den Wind messen kann. Wie das? Das
Stichwort heißt "Dopplereffekt". In Abhängigkeit davon, ob die
elektromagnetischen Wellen sich mit oder entgegen des Windes
ausbreiten, verändert sich ihre Frequenz. Im Alltag merkt man
diesen Effekt beispielsweise bei der Veränderung der Tonhöhe,
wenn ein Krankenwagen vorbei fährt. Aus der Art und Stärke der
Veränderung der Frequenz der Radarstrahlen lassen sich die
Windrichtung (zum Radar hin oder vom Radar weg) sowie die
Geschwindigkeit bestimmen. Damit ist es auch möglich
kleinräumige Windrichtungsänderungen zu detektieren. Diese
können zum Beispiel auf Rotationen hindeuten und damit einen
Hinweis liefern, ob eine Gewitterzelle ein gewisses
Gefahrenpotential besitzt, oder eher harmlos ist.
Neben diesen aufgeführten Anwendungsmöglichkeiten wird die
Radarmesstechnik auch in anderen Gebieten beim Deutschen
Wetterdienst umfangreich verwendet. Dieser Artikel liefert
daher nur einen ersten Einblick in die Wichtigkeit dieses
Hilfsmittels.
Derzeit ist der DWD dabei sein komplettes Radarmessnetz
auszutauschen. Die alten
Radare werden durch moderne Geräte ersetzt. Diese sind in der
Lage die Polarisation der
elektromagnetischen Strahlung zu bestimmen. Darunter versteht
man die Richtung der Schwingung, die von den ausgesendeten
Radarwellen ausführt werden. Die Polarisation ist abhängig von
der Art der Teilchen (Regentropfen, Hagel, Graupel, Schnee), an
denen die Strahlung gestreut und zurück zum Radar geworfen
wird. Damit kann man zukünftig genauer feststellen, um was für
eine Art Niederschlag es sich handelt und ob sich in einer
Wolke eher Tropfen oder Hagel befindet. Dies wird eine neue
Etappe in der Radarmesstechnik einläuten und weitere
Anwendungsmöglichkeiten liefern.
Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Wochenendwetter. Es
bleibt vor allem in der Nordhälfte und am Alpenrand vielfach
stärker bewölkt und gebietsweise gibt es Schauer bzw. Regen. In
den restlichen Gebieten, sowie auch entlang der Ostseeküste
kann zeitweise die Sonne scheinen. Es bleibt allgemein kühl mit
Werten, die je nach Sonne zwischen 13 und 19 Grad liegen.
Nachts wird es bei Aufklaren mittlerweile auch schon recht
frisch mit Werten zwischen 8 und 2 Grad. In ungünstigen Lagen
kann in der Nacht zu Sonntag örtlich Luftfrost auftreten, sonst
herrscht allgemein Bodenfrostgefahr. So oder so macht sich doch
langsam der Herbst bemerkbar, wobei die einen eher das schöne,
die anderen mehr die schlechte Seite zu spüren bekommen.
Ein schönes Wochenende wünscht . . .
Dipl.-Met. Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Donnerstag, den 16.9.2010
Thema des Tages
Flucht vor dem Herbstwetter
Regen, z.T. stürmischer Wind und Temperaturen deutlich unter 20
Grad C lassen schnell Fluchtgedanken aus Deutschland aufkommen.
Wer nicht gerade nach Skandinavien reisen will, dort ist das
Wetter nicht viel anders als in Deutschland, der ist am
Mittelmeer derzeit noch gut aufgehoben. Vorausgesetzt, dass
noch genügend Resturlaubstage vorhanden sind und der Kontostand
ein Plus vor dem Zahlenwert anzeigt, ist Südspanien z. B.
keine schlechte Alternative. In den Küstenregionen ist es
immerhin noch 25 bis 30 Grad C warm, in Andalusien kann das
Thermometer sogar noch bis auf 38 Grad C klettern.
Auch in Italien und Griechenland liegen die Temperaturmaxima
noch zwischen 25 und 30 Grad C. Wer es noch etwas wärmer liebt,
dem sei die Türkische Riviera oder die Tunesische Küste
empfohlen. Bis zu 35 Grad C wird es dort noch heiß.
Dauerbrenner im Herbst sind und bleiben auf jeden Fall auch die
Kanarischen Inseln und Madeira mit Temperaturen um 28 Grad C.
Entsprechend hoch sind auch noch die Wassertemperaturen. Im
westlichen Mittelmeer liegen sie zwischen 20 und 24 Grad C, im
östlichen Mittelmeer sogar um 25 Grad C.
Sollten aber die freien Tage, ähnlich wie die pekuniäre
Ausstattung des Kontos, eher Mangelware sein, bleibt nichts
weiter übrig, als in Deutschland auf eine deutliche
Wetterbesserung zu hoffen. Damit ist aber erst frühestens (wenn
überhaupt) zum Beginn der kommenden Woche zu rechnen.
Dipl.-Met. Helmut Malewski
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Mittwoch, den 15.9.2010
Thema des Tages
Viel Wind in der Wetterküche
Ein Blick genügt, um festzustellen: "Hiltrud" hat uns
vollkommen in der Hand. Bestimmend für unser Wettergeschehen
ist ein umfangreiches Tiefdrucksystem namens "Hiltrud" mit
Zentrum über Nordeuropa. Der Dreh- und Angelpunkt in Form des
Tiefschwerpunktes lag dabei nachts über Norwegen und verlagert
sich nun langsam weiter nach Osten. Zum Einen haben wir es
dabei mit der Kaltfront dieses Tiefs zu tun, die mit teils
kräftigem Regen die Mitte Deutschlands erreicht hat und bis zum
Abend auch den Süden überquert. In Nordrhein-Westfalen wurden
mit Passage des Tiefausläufers örtlich 10 bis 20 Liter Regen
pro Quadratmeter gemessen. An der Nordsee kamen einerseits
durch die Kaltfront, aber auch durch nachfolgende Gewitter
sogar 32 mm Regen zusammen. Neben dem ganzen Regen hat Hiltrud
aber auch noch einiges an Wind im Gepäck. An der Südflanke des
Tiefs frischte der Wind bereits in der Nacht zum Mittwoch an
der Nordsee stürmisch auf. Auf den Inseln wurden 90 bis 100
km/h gemessen, in Büsum wurde das Windmaximum beim Durchzug
eines Gewitters mit 115 km/h (Windstärke 11) erreicht. Der Wind
lässt im Norden heute nur vorübergehend nach. Ein kleines
Randtief, welches abends mit seinem Sturmfeld die
Nordseebereiche erfasst, sorgt weiterhin für stürmische
Verhältnisse. In Schottland brachte "Imogen", so der Name des
kleinen Tiefs, bereits Orkanböen. Auf dem mehr als 1200 Meter
hohen Cairngorm wurden sogar 165 km/h beobachtet. So schlimm
wird es für die Nordlichter aber bei weitem nicht. Es muss im
Zusammenhang mit dem Durchzug von "Imogen" heute Abend "nur"
mit schweren Sturmböen, vielleicht auch mal mit einer
orkanartigen Böe um 110 km/h an der Nordsee gerechnet werden.
Dipl.-Met. Bernd Zeuschner
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Dienstag, den 14.9.2010
Thema des Tages
Stabile Unbeständigkeit
Altweibersommer, Spätsommer, herbstliche Hochdrucklage, alles
Quatsch! Alles was zählt für die nächsten Tage ist die stabile
Unbeständigkeit. Denn Deutschland wird von einem
Tiefdruckausläufer nach dem anderen heimgesucht. Entsprechend
gestaltet sich auch das Wetter. Regen mit kurzen
Unterbrechungen ist wohl die markanteste Beschreibung. Dabei
gibt es allerdings einen kleinen Unterschied. Während in
Norddeutschland die Regengebiete, gepeitscht durch den starken
Wind, rasch nach Osten abziehen, kann es an den Alpen durchaus
auch einmal länger regnen.
Für all diejenigen, bei denen die Heizanlage im Keller ein
Aschenputteldasein führt, denen sei geraten, vielleicht doch
einmal nach dem Ölstand zu schauen oder den Installateur für
die notwendigen Wartungsarbeiten zu bestellen. Denn mit den
Temperaturen ist auch nicht mehr viel anzufangen. Liegen sie
noch bis zur Wochenmitte, zumindest in Süddeutschland, bei nahe
20 Grad C, sind in der zweiten Wochenhälfte nur noch Werte von
kaum mehr als 15 Grad C zu erwarten. Und da kann es in der
Wohnung, gerade in den Frühstunden, doch ziemlich frisch werden.
Schaut man in die mittelfristige Zukunft, sprich das kommenden
Wochenende, dann ist leider auch kein Lichtblick am Horizont zu
erkennen. Es bleibt regnerisch, windig und kühl.
Abschließen noch eine gute Nachricht für alle Autofahrer. Für
das Aufziehen der Winterreifen ist es definitiv noch zu früh.
Dipl.-Met. Helmut Malewski
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Montag, den 13.9.2010
Thema des Tages
Kommt der Altweibersommer?
Als Altweibersommer bezeichnet man eine Wettersingularitär, die
im Frühherbst auftritt. Eine Wettersingularität ist ein
Witterungsabschnitt, der zu einer bestimmten Zeit im Jahr mit
einer höheren Wahrscheinlichkeit auftritt. Bekannt als
Wettersingularitäten sind neben dem Altweibersommer unter
anderem der Spätsommer, das Weihnachtstauwetter, die
Schafskälte, die Eisheiligen sowie die Hundstage.
Die Witterung während des Altweibersommers ist geprägt von
milden, sonnigen und trockenen Tagen. In den Nächten kühlt es
jedoch, durch die im September schnell kürzer werdenden Tage,
schon deutlich aus. In den Morgenstunden bildet sich oft Nebel
oder Tau, woher auch der Name "Altweibersommer" kommt. Er
leitet sich von Spinnenweben her, mit deren Hilfe die
Baldachinspinnen im Herbst durch die Luft segeln. Das Wort
"Weiben" bezeichnete im Althochdeutschen das Weben von
Spinnennetzen. Diese Spinnennetze werden im Morgentau in den
Altweibersommertagen besonders gut sichtbar.
Ursache für diese Schönwetterperiode im Frühherbst ist ein
kräftiges Hoch über Mitteleuropa. Dieses bleibt eingekeilt
zwischen einem Atlantiktief und einem Tief über Osteuropa meist
mehrere Tage stationär liegen. Es blockiert die atlantischen
Tiefdruckgebiete, die sonst meist von West nach Ost vom
Atlantik über Großbritannien bis Skandinavien ziehen, und mit
ihren Frontensystemen für wechselhaftes Wetter sorgen würden.
So eine Altweibersommerwetterlage tritt mit über 70 %iger
Wahrscheinlichkeit vom 20. September bis etwa anfang Oktober auf.
Nach einem kurzen Spätsommer (Häufigkeit über 70 %), der dieses
Jahr in Deutschland nur etwa 2 - 3 Tage dauerte und somit nicht
als eigenständige Witterungsperiode bezeichnet werden kann,
hofft man nun für Ende September auf den Altweibersommer.
Derzeit macht jedoch die Entwicklung der Wetterlage zunächst
wenig Hoffnung. Ein Tief zieht vom Nordatlantik nach
Skandinavien und bleibt dort für einen längeren Zeitraum
liegen. Dieses Tief bringt feuchte Meeresluft mit sich und
sorgt für einen wechselhaften und nur mäßig warmen
Witterungsabschnitt. Unser spätsommerliches Hochdruckgebiet,
das am Wochenende für schönes Wetter sorgte, wird dabei nach
Südosteuropa abgedrängt. Ob dieses wechselhafte Wetter dann
weiterhin anhält, oder ob sich die Wetterlage Anfang nächster
Woche auf eine Altweibersommerlage umstellt, ist derzeit leider
noch nicht abzusehen.
Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Dipl.-Met. Thomas Ruppert
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Dipl.-Met. Peter Hartmann
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Dipl.-Phys. Ansgar Engel
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Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
Wann immer sich meteorologische- oder andere geophysikalische
Ereignisse in der Welt zu Katastrophen ausweiten, ist auch der
Deutsche Wetterdienst gefragt. Nicht bei der Vorhersage vor
Hurrikanen, Taifunen oder gar bei Erdbeben oder
Vulkanausbrüchen, sondern in der Folgezeit, wenn das technische
Hilfswerk und die anderen Hilfsorganisationen in betroffenen
Region versuchen, die Folgen der Katastrophen zu lindern.
Aktuellstes Beispiel ist Pakistan, in dem es zur Monsunzeit
teilweise an einem(!) Tag so viel regnete wie in den
Niederungen Deutschlands in sechs Monaten. Da wurden bis zum
Ende der Monsunzeit Anfang Oktober Regenvorsagen dringend
benötigt.
Zur Zeit sind wir mit Wettervorhersagen für die Dürrezone des
Sahel und dem am 12. Januar dieses Jahres von einem Erdbeben
und aktuell von der Cholera heimgesuchten Port au Prince
beschäftigt.
Während sich in der Sahelzone die Vorhersage im Wesentlichen
mit den wenigen Regenereignissen des Jahres auseinandersetzt,
ist in Port au Prince schon mehr Sachverstand gefragt.
Port au Prince liegt auf etwa 20 Grad Nord und damit genau wie
Pakistan im Bereich der sommerlichen innertropischen
Konvergenzzone. Das ist der Bereich, in dem die
Hochdruckgebiete wie zum Beispiel das Azorenhoch von Norden und
andere Hochs von Süden her ihre Luft hinlenken. Die kann
zwischen den Hochs der Passatwindzone in dem
Zusammenströmungsbereich (Konvergenzzone) natürlich nicht im
Boden versinken, sondern muss aufsteigen. Das führt zu den
tropischen Schauern und Gewittern, die in Ihrer Stärke bei uns
täglich zumindest zu Starkniederschlagswarnungen führen würden.
Die genaue Voraussage Ihrer Stärke ist für die dort aktiven
Hilfsdienste sehr wichtig, für uns allerdings sehr schwierig.
Zusätzlich kommt im Sommer und Frühherbst die Warnung vor
Hurrikans hinzu. Da sind wir natürlich auf die Erkenntnisse
unserer Kollegen in Amerika angewiesen.
Insgesamt sind die Vorhersagen für die Hilfsorganisationen ein
interessanter Aspekt unserer Arbeit. Sie führen uns
meteorologisch in fremde Regionen und bieten einige Abwechslung
vom relativen Einerlei der aktuellen Vorhersage für Deutschland.
Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
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Hermann Kehrer
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Vorhersage- und Beratungszentrale
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Dipl.-Met. Thomas Ruppert
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Dipl.-Met. Martin Jonas
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Dipl.-Met. Thomas Ruppert
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Mi Do Fr Sa Summe
Schleswig (104) 10 17 30 12 69
Wittenborn (81) 3 11 64 13 91
Freiburg (81) 4 17 51 12 84
Lübeck (64) 0 7 39 31 77
Itzehoe (85) 6 11 59 16 92
Cuxhaven (86) 6 23 35 13 77
Teterow (45) 0 6 31 13 50
Dipl.-Met. Christop Hartmann
Deutscher Wetterdienst
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